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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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welche geeignet sind, Interesse für die Einbürgerung und Erweiterungdieses höchst einladenden Erwerbszweigcs zu erregen und die sach-dienlichsten Mittel zu erwähnen, welche unter andern auch in dasvon Herrn Carl Netz, jenem gemcinsimilgen Biedermann zu Darm-stadt ausgegangene, durchaus nicht ganz erfolglos gebliebene Unter-nehmen wohl wieder neues Leben zu bringen, ja dessen Verbreitungüber unser ganzes Großhcrzogthum zu bewerkstelligen vermögen.

Lassen wir uns durch das einmalige Mißlingen eines dcsfallsigenActienunternehmens keinen Tag länger abschrecken, vielmehr ein auf-munterndes Beispiel an ähnlichen Schicksalen in deutschen, untergleichen Breitegradcn oder gar noch nördlicher gelegenen Länder-strichen nehmen. In Deutschland wurden die ersten Versuche zumSeidenbau von der Gemahlin des Herzogs Franz Otto vor fast4 Jahrhunderten in der Gegend von Lüneburg und später in Berlingemacht. Die Nachbarschaft Italiens, wo er insbesondere durch dieBemühungen des Grafen Rogcr I. schon frühe, zur Zeit derHohen-staufen, im Süden und des Emanuel Philibert, des SavoyischenHerzogs schon im 16. Jahrhundert im Norden in üppiger gesunderBlüthe stand, veranlaßte wohl in Bayern, vornämlich zu München,bereits vor 170 Jahren ganz Erhebliches für Verbreitung der Sei-denzucht zu thun. Wie hier in Folge eines Processes jedoch dieseErwerbsthätigkeit vollständig unterbrochen wurde und alle bereits er-langten Erfolge wieder in sich selbst zerfielen, so erfreuten sich auchalle andere derartige Versuche bis zur Zeit des siebenjährigen Kriegesin Deutschland keines glücklicheren Looses. Erst dessen Held, Fried-rich der Große, der wahrlich wie ein Fürst die wahren Quellen desVolkswohlstandes erkannte, widmete namentlich ihm die ungctheiltesteAufmerksamkeit. Maulbeerbaumpflanzungen wie Seidenbauhäuser ver-dankten ihm ihr Dasein, er ließ Unterricht in der Behandlung desMaulbeerbäume und der Seidenraupen unentgeldlich ertheilen undsetzte für die, welche sich mit der Seidenzucht beschäftigten, bedeutendePrämien aus. Schon im Jahr 1778 gewann man in 5 altpreußi-schen Provinzen 6849 Pfund reine Seide, welches Quantum in demTodesjahr des großen Königs sogar bis auf 14,000 Pfund gestiegenwar. — In der Pfalz ließ Kurfürst Carl Theodor 80,000 Maul-beerbäume pflanzen und suchte, als er später Bayerns Fürst wurde,auch dort unermüdet auf alle mögliche Weise die Seidenzucht zuheben. Aehnlichcs geschah in Sachsen, Würtemberg und Baden.