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Der Seidenbau in Berlin, Potsdam und deren Umgegendist bereits so in Flor, daß 104 Seidenzüchter Prämien von 2',!- bis1'/« Sgr. für die Mctzc Cocons erhalten koiiiitcn, und daß darunterZüchter, wie der Graf von Armin unv der Hofgärtner Scllo inPotSdam, sind, welche über 1000 und 2000 Metzcn der bestenCocons gezogen haben, also 80 bis 170 Thaler allein an Prämienerworben haben.
Zu noch weit erfreulicheren Resultaten führten die Bemühungenim Interesse der Scidenzucht im nachbarlichen Frankreich. SeitColbert machte sich zumeist Carl X. um solche verdient. Große Sum-men bewilligte er nicht allein zu ihrer Aufmunterung, sondern ließselbst eine Domaine (Koi-Kono) zu einer Mustcranstalt für die Culturder Maulbcerbäume und für die Scidenzucht ankaufen und einrichten.Ebenso wurde den Präfccten das Bestreben zur Anpflanzung jenerund zur Pflege dieser kräftigst anempfohlen. In Folge dessen ließder Graf Lezay Marnesia, Prüftet des Rhonedepartemcnts alleCommunalhaiden in seinem (unserm ganzen Großhcrzogthume fastgleich kommenden) Verwaltungsbezirk mit Maulbeerbäumcn bepflanzen.Hand in Hand mit diesen Anstrengungen gingen die Bemühungen derlandwirthscbaftlichcn und Ackerbaugescllschasten, wie denn z. B. die zuMoulins und andere eine jede jährlich drciTaglöhncr unterrichten lassen.
Wenn auch Louis Philipp, der weise FriedenSkönig, Vielesanders denn sein bourbonischcr Vorgänger macht, in der Pflege derScidenzucht ist er ganz in dessen Fußtapfen getreten. Er erkannte,welch' reiche Erwerbsquelle solche seinem Königreich darbieten könnteund fürwahr er hat sich nicht verrechnet. Keine Opfer, keine Mühenwurden gescheut, man suchte an Ort und Stelle auf den Philippinendas in der That weit ergiebigere Verfahren der Chinesen sich prak-tisch anzueignen und solches in Frankreich einzubürgern. Durch Be-folgung desselben namentlich hat in neuester Zeit die französischeScidenzucht einen ganz außerordentlichen Aufschwung genommen.Durch die sorgfältigste Beachtung des richtigen Wärmegrades unddes nöthigen Luftwechsels, durch die gewissenhafteste Bewahrung derReinlichkeit, durch häufige und pünktlichere Fütterung der Raupengewinnt man jetzt von derselben Blättcrmcnge dreimal mehr Seideals früher, indem dadurch der Verlust an Raupen fast ganz beseitigtist, kein Futter unbenutzt zu Grunde geht und überdies die Raupenhierbei größere und gewicktigcre Cocons liefern. Ich muß es wahr-