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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Auf den meisten der uns Hessen zukommenden Bleistifte findetsichRcgensburg" als ihr Fabrikort eingedrückt, im Welthandel ccur-sircn jedoch immer noch vorzugsweise die Namen der englischen, wie-ner und der pariser Bleistifte als die besten. Schon die Alten be-dienten sich der Bleistifte zur Ziehung von Linien auf Pergament,aber nicht unsers in Holz gefaßten Zeichnenmatcrials aus Wasscrblci,sondeni Stiften von wirklichem Blei, womit man bekanntlich eben-falls schwärzliche Striche machen kann.

Unsere Bleistifte mögen fast gleichzeitig mit der Buchdruckcrkunstvor 4 Jahrhunderten erfunden worden sein und zwar höchst wahr-scheinlich in England, dessen Wasscrblci allein, wie es gegraben wird,benutzt werden kann. Noch immer räumt man den englischen Blei-stiften, in den feinsten Sorten wenigstens, in Folge der Vorzüglichkeitdieses (natürlichen) Graphits, (des Cumbcrlandblei's') ein (Übergewichtein, aber es ist nicht zu leugnen, daß Frankreich und noch mehrDeutschland mehr und mehr mit Glück sich Dieses Artikels im Welt-handel bemächtigt hat. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts gelang nämlich sowohl dem Joseph Hardtmuth zu Wien, als auch demFranzosen Conto zu Paris künstliche Bleistifte zu fertigen, indcin sieaus gepulvertem und geschleimtcm Graphit mittelst Hinzufügen einesBindemittels aus reinem, besonders kalk- und sandfrciem Thone einebreiartige Masse darstellten und hieraus die Stifte formten, welchesofort gebrannt und in Holz gefaßt wurden. Die pariser und wie-ner Stifte erwarben sich einen höchst vortheilhaften Ruf, besondersletztere, welche lange Zeit mit Recht als die vorzüglichsten des Fest-landes galten, bis im Verlaus der Zeit die bairischen Fabriken einenböbcren Aufschwung nahmen und rastlos mit solchem Erfolg weiterstrebten, daß sie jetzt kühn mit dcir berühmten Wiener Stiften in dieSchranken treten dürfen und bis auf die wenig gebrauchten ganzfeinen Stifte Englands, dessen Fabrikate fast ganz vom Continenteverdrängt haben. Unter allen derartigen Fabriken des Festlandes steht,sowohl bezüglich ihres Verkehrs, als UmfangS, die der Söhne jenesgenannten Erfinders des künstlichen Graphits, der Gebrüder Hardl-m u th zu Wien oben an. Sie produeiren dermalen jährlich mehrerebundcritauscnd Dutzend, welche, außer Oesterreich, auch in alle übrigendeutschen Staaten, nach Holland, Rußland w. versandt werden. Einesgleich erfreulichen Verschleißes bei uns, wie ini Norden und Italien,erfreut sich ihre Fabrikation der sehr gemeinnützigen Schreib-