Buch 
Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
Entstehung
Seite
315
JPEG-Download
 

315

unsere hessischen Landbewohner ebenso leicht und gut, als die desbasischen Oberlandes einschicßen können, cS ernähren sich aber, außerjenen 700 bei und in Zcll, noch in andern Thälern, Dörfern undStädtchen 121400 Personen durch diese Arbeit und zwar, jenach ihrer erlangten Gcschicklichkcit, bei einem täglichen Verdienst von15, 30 bis 48 kr. Ist dieser nicht geeignet, eine neben dem ei-gentlichen Ackerbau als Nebenerwerb herlaufende lohnende Nahrungs-quelle abzugeben? Wir wollen nicht die Achsel zucken, sondern so-fort Hand ans gemeinnützige Werk legen und mittelst (wenigstenstemporärer) Ansiedlung mehrerer der geschicktesten Arbeiter Badensdiesen Industriezweig auch in unsere heimischen Thäler verpflanzen.Die reich belohnte Wirksamkeit des edlen Wohlthäters G. Ch. Adele,Inhabers einer Spiegel- und Taftlglasfabrik zu Neuhurkenthal undDissernit in Böhmen, mag uns hierzu noch mehr anfeuern. Dieseswürdige Ebenbild unsers bereits geschilderten Elsaßcr GeistlichenOberlin eröffnete in einer der rauhcsten und höchsten, bisher vonallem Gewerbe entblößten, dafür von der drückendsten Armuth heim-gesuchten Gegend, mittelst des Betriebs seiner Fabrik, eine Erwerbs-quelle, ohne welche deren Bewohner auszuwandern genöthigt gewe-sen wären. Sie erhoben sich nach und nach zum Wohlstände undgewöhnten sich überraschend schnell an eine nützliche lohnende Thätig-keit, und wahrlich der treffliche Menschenfreund hatte mit weit mehrRisiko und Hindernissen zu kämpfen, als uns bei der Einführung derGranatenindustrie sich entgegenstellen könnte. Er legte seine Fabri-ken in einer Gegend an, wo wegen der bei ungünstiger Witterungganz unfahrbarcn Gebirgswege er mit der Zufuhr der Rohstoffe,mit der Abführung der so äußerst gebrechlichen Fabrikate, welchehierbei stets natürlicherweise sehr leicht zu Grunde gehen konnten, wieauch selbst mit der Hcrbeischaffung der Lcbenomittcl mit den größtenSchwierigkeiten zu kämpfen hatte. Doch des rastlos für das Voiko-wohl thätigen Adele gemeinnütziges Unternehmen sollte auch ein glän-zender Erfolge krönen, denn aus jenen hochgelegenen Fabriken gehendie größten, in jeder Beziehung vollendetsten, fehlerfreien Spiegelund Glastafeln von Prag und Wien aus nach allen Provinzen desöstreichischen Kaiscrstaats, ganz Deutschland, Polen, Italien, überTrieft nach Griechenland, der Türkei, Aegpptcn nnd Nordamerikaund über Nürnberg nach Holland und Spanien. Warum sollteunser gemeinnütziges Vorhaben der Einführung der Granatcnzubc-