314
und Abschleifen) der Granaten in der Nähe der Schwarzwälder-Uhrenindustric, jenes Schauplatzes einer so überaus thätigen Ge-werbsamkeit, für die Gegend des Zcller-Thals im badischcn Ober-land einen gar nicbt zu verachtenden Erwerbszweig, indem er nachglaubhafter Versicherung allein in diesem Thal mindestens 6 bis700 Arbeiter ernährt. Es wäre wohl um so einladender, mit derEinführung dieser Nahrnngsguclle einen praktischen Versuch zu machen,als rücksichtlich des Bezugs des Rohstoffs — aus Böhmen — dieBaden'schcn Arbeiter vor unsern Hessischen durchaus nichts voraushaben und die Nachfrage nach diesem glänzend rothen Frauenschmuckin unserm Vaterlandc wieder sehr im Zunehmen begriffen ist, imklebrigen aber vis Mailand nach dem Süden, namentlich dem Orient,solche jederzeit sehr bedeutend war und noch ist. Wie uns Rößlermittheilt, werden die ächt böhmischen Granaten größtenteils am süd-lichen Abhang des Mittelgebirges in den im Leitmeritzerkrcise gelege-nen böhmischen Herrschaften Trziblitz, Treibnitz und Dlaschkowitz ge-sunden. Die reinsten, feurigsten und glänzendsten führt die Gegendvon Podscditz, in einer unter der Dammerve verbreiteten, einige Klaftertiefen, mit Basaltgeröllc gemengten Erdschichte. Der die Granatenbergende Sand wird bergwerksartig gewonnen, durchgeworfen, gefegtund hierauf zum Wcgschiemmcn der erdigen Theile gewaschen. Dieauf solche Weise gereinigten Granaten werben nun vermittelst Siebenin verschiedene Kaliber oder Nummern svrtirt, welche von Nr. 50bis Nr. 365 sich erstrecken und einen Gcldwcrth von 30 bis 200 fl.per Pfund erreichen. Die sortirten Granaten werden nun an dieFabrikanten verkamt, welche sich mit der ferneren Bearbeitung der-selben, nämlich dem Bohren, Schleifen, Facettiren, Brillantiren undRosettiren beschäftigen. Das Bohren der Granaten geschieht ver-mittelst eines Drahtstiftes, an dessen Spitze ein kleiner Diamant be-festigt ist, wornach dieselben in einer eisernen Pfanne bis zur Glüh-hitze gebracht werden. Zum Schleifen und Facettiren bedient mansich kleiner bleierner Scheiben von 4 — 6 Zoll Durchmesser; die Po-litur erhalten sie auf Zinnscheiben von derselben Größe. Erstere wer-den zu dem Ende mit Schmirgel, letztere mit Trippel bestrichen. Eben-so, wie die in Schnüren zu fassenden Granaten, werden auch die-jenigen hergerichtet, welche bei Bijouterie- und Juwelierarbeiten ver-wendet werben.
Dieses die ganze Manipulation, in welche sich zweifelsohne