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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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hinlänglichen Grad von Geschmeidigkeit ertheilen. Je nachdem nunsolches mittelst Gerbsäure, mittelst Alaun- und Kochsalz, oder mittelstFettsäure erzielt wird, theilt sich die Gerberei in Loh-, Weiß- oderSämischgerberci. Es mußte dieses zur Erläuterung mancherAusdrücke vorausgeschickt werden. Daß schon in grauer Vorzeitdieses Gewerbe bei uns einbeimisch war, dafür spricht wohl die in-teressante Thatsache, daß bezüglich des Gebrauchs von gar mancherleihierbei noch vorkommender Ausdrücke, sich ein mehrtausendjährigesAlter nachweisen läßt, so z. B. bei der Benennung „Dechcr," welchenicht allein in deutscher, sondern auch in englischer, schwedischer unddänischer Sprache zehn Stück Leder bedeutet. Schon zu ZeitenAlerander Sevcrs pflegte man Häute und Leder nach äeouri>8 zuzählen. Doch nun zu dem Stand unserer hessischen Gerbereien ins-besondere.

Obgleich sich beinahe in allen unsern Städten Loh- und invielen auch Wcißgerbereien befinden, deren Zahl sich immerhin ausmehrere Hundert belaufen mag, so könnte ihr Betrieb doch sicherweit umfassender, weit lohnender für unsern Wohlstand sein. Wievor Jahrhunderten, so zeichnen sie sich zwar auch jetzt noch in derHerstellung des s. g. Zahmsohlleders aus, aber ein Gleiches solltevon ihnen auch bezüglich der Fabrikation des Sobllcdcrs und zwarzunächst des Wildleders aus den südamcrikanischen Häuten gesagtwerden können, welche auf das Vortheilhafteste schon seit vielen Jah-ren durch die großen Gerbereien am Nicderrhcin, in der Gegend vonAachen, Malmed», Lüttich und Lurcmburg betrieben wird. Diesen,wie unsern Gerbereien, liefern die nahgclegenen sehr ansehnlichen Nic-derwaldungen und die zweckmäßigste forstwirtschaftliche Behandlungderselben das bis jetzt bekannte beßte Werbemittel für Sohlleder, näm-lich die Lohe aus junger Eichenrinde. Der Fortbestand des Bezugsdieses Mittels ist schon in Folge der Thatsache gesichert, daß dasErziehen von jungen Eichenschlägen zur Lohgewinnung einen derhöchsten Erträge aller Waldnutzungen gewährt. Dieser nachhaltigeBezug sollte von unsern Gerbern zum Frommen hessischer Arbeiterweit besser ausgebeutet werden, sie sollten rastlos darnach streben,daß immer mehr und mehr die Thatsache der Vergangenheit ange-höre, daß fast ohne Ausnahme das in Hessen verbrauchte Sohllederaus Malmcdp :c. komme. Es ist mir wohl bekannt, daß dieses imGanzen jährlich 3000 Centner Leder mehr aus- als einführt, sowie,