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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Häuten gegerbt, bisweilen 200,230, ja 250 Pfund wiegt, 5 solcherHäute Wildleder dagegen nur 180, höchstens 200 Pfund. WasWunder, daß daber, trotzdem in der Güte an sich unser deutschesSoblledcr oft besser, als daS von Wildhaut ist, letzteres doch beigleichen Preisen weit mehr von unsern, die höbcrcn Stände zu Kun-den habenden Schuhmachern gesucht wird. Ich glaube nicht, daßhinreichende Gründe vorliegen, daß unsere Gerber nicht auch denBedarf an Wildleder unsern Schuhmachern liefern und jenen bedeu-tenden Arbeitsverdienst unserm Großberzogthum in höherem Grad alsseitkcr erhalten könnten, um so weniger, als der Bezug von Wild-häuten mit jedem Jahr billiger wird und sie schon jetzt großcntheils(in Folge der Kraft des Dampfes und des entfesselten Handels,trotz des mehrere Tausend Stunden weiten Wegs) billiger, als unsereinländische unsere Gerber zu stehen kommen und deren Verarbeitungsicherlich keine von diesen nicht zu überwindende Hindernisse im Wegestehen.")

Frisch auf ihr hessischen Gerber, Muth gefaßt, die billigstenBezugsquellen dieser Wildhäute aufgesucht, laßt eure Söhne diefranzösische Sprache und tüchtige chemische Kenntnisse sich aneignen,die um so nöthiger sind, als das ganze Geschäft ein chemischer Pro-ceß ist, tlnd späterhin sie in jenen niedcrrbeinischcn bestrenommirtenGerbereien einige Zahre sich aufhalten und sich vollständig über dieGründe der dortigen Vcrfabrungsweisc orientircn. Leset eures Lands-manns, des im Motto gedachten I. I. Astor, Lcbcnöschilderung, denja auch Thicrhäutc reich gemacht haben. Nehmt ein Beispiel

*) Was sehen wir bezüglich der Lederbereitung in Gera, in demunserm Gießen an Größe etwa gleichkommenden sürstl. Neußischc»Hauptstädtchen, dessen Bewohner fast ohne Ausnahme ein inniges Be-wußtsein oon der lebendigen Kraft der Industrie und des Handelsdnrchdringt. Hier blühen auch die Zünfte wie nur irgendwo und dochhaben seine 44 Roth- und 20 Weißgerbermcister nie Mangel an loh-nender Beschäftigung. Trotzdem der Bezug lange nicht so günstig wiein unsern hessischen Gewerbsstädtchcn ist, werden hier jährlich ausSüdamerika und aus dem Norden 6000 Ccntner rohe Häute und Felleallein eingeführt und verarbeitet. Von den Nothgerbern werden3000 Ctr. Rindsleder (für 50 Gulden pro Ctr.) und 80.000 Stück Kalb-felle und von den Weißgerbcrn über 50,000 Stück verschiedener Fellebereitet, überhaupt von den Gcraischen Gerbern insgesammt für weitmehr als 400,000 Gulden Leder jährlich verarbeitet und ohne Aus-nahme nach Wunsch jährlich zeitig abgesetzt.

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