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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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außer an ihm und den seither erwähnten tüchtigen Gewerbsmännern,an unsern Herren Meyer, Michel und Dcnningcr zu Mainz,deren erst diesem Jahrhundert «»gehörige Lederfabrik so leicht keinerder Erde an Großartigkeit nachsteht, an unserm Hcllmann zuNeckersteinach oder Prätorius zu Alzei, welcher sein Geschäft erstim Jahr 1815 gründete und es dergestalt erweiterte, daß er dermalenmit wohl 70 Gruben arbeitet und jährlich 8000 fl. rein an Arbeits-verdienst für sich und seine Arbeiter bezieht.

Die obengenanntc, weit berühmte Lederfabrik der Herren Meyer,Michel und Dcnninger zu Mainz, ist eins der wenigen Etablissementsin Deutschland, welche sich mit Erfolg des von England ausgegan-genen Spaltens der Schaffelle bedient, wobei bekanntlich die Narben-oder Haarseite gefärbt, oder appretirt, sowie von Buchbindern undHutmachern benutzt wird, die Fleischseite dagegen in Thran gegerbt,als hämisches Leder bei den Handschuhmachern Verwendung findet.

Wir sind somit im Besitz einer Gewerbsanlage, die uns invorzüglichster Qualität und in beliebiger Menge einen der Hauptroh-stoffe zu der bei uns fast noch gar nicht gepflegtenHandschuhfabrikation

ja bis aus das der Gemse, sämmtliche Ledersorten, selbst in allen denk-baren Farben, zu liefern im Stande ist. In Dänemark, inTyrol, wie in Sachsen, gewährt diese Betriebsamkeit vielen Hun-derten von ländlichen Familien eine sehr ergiebige Erwerbsquelle;ich besuchte selbst sehr viele Handschuhwerkstättcn in und um Neapel,wo überall Thätigkeit vorwaltete, das heitere Antlitz der schneidendenArbeiter und der nähenden Arbeiterinnen die blühendste Gesundheit be-kundete und ich erkannte, wieselbst der beschränkteste Kopf eines Bauernsich hierin sehr bald sein Brod verdienen kann, trotzdem dort dieHandschuhe, nicht halb so theuer, wie bei uns hergestellt werden; inder Hauptstraße, dem weltberühmten Toledo, wo Handschuhladen fastan Handschuhladcn sich reihen, wird das Paar der scinstcnSorte mit24, höchstens 28 kr. bezahlt. In der Umgegend von Paris ver-fertigte früher in den Dörfern das weibliche Geschlecht, sobald esnichts anders zu thun hatte, Spitzen, wobei für 12 Stunden höchstens12 kr. verdient wurden. Seitdem aber in dieser Gegend die Hand-schuhfabrikation eingeführt wurde, hat sich der Zustand der Bevölke-rung auffallend verbessert. Die Gebirge bei Grcnoble, die Dörferbei Lüneville, bei Chaumont, bei Niort und bei Vendome, wo Alle,