332
Lange blieb uns Deutschen die Fabrikation der feineren Hand-schuhwaarcn unbekannt. Es wollte uns nicht gelingen, das roheMaterial auf eine Weise darzustellen, daß wir mit dem Auslandeim Welthandel mit Glück als Konkurrenten hätten auftreten können.Der deutsche Fabrikant mußte daher sein Leder aus dem Auslande,namentlich aus Frankreich beziehen und ganz erhebliche Summenfür fremden Arbeitsverdienst diesen zukommen lassen. Der scharfeBlick Friedrich des Großen, der in der nachhaltigen Hebung derGewerbsthatigkcit stets einen Hauptwohlstandsfaktor sah, wollte hierabhelfen, aber es geschah nicht mit dem gewünschten Erfolg. DerBedarf wurde immer stärker, der auswärtige Gerber begann schlech-ter zu fabricircn, vermochte auch bei der sich häufenden Nachfragedem Bedürfniß nicht mehr zu genügen und der inländische Hand-schuhmacher wurde hierdurch in große Verlegenheit gesetzt DiesesZusammentreffen ungünstiger Umstände bewog den Deutschen dar-nach zu streben, dergleichen UcbelstLnden für die Zukunft vorzubeu-gen. Keine Mühen und Kosten sparte er und ehe noch das vorigedem jetzigen Jahrhundert die Hand reichte, wußte er schon ein Le-der zu bereiten, das dem ausländischen in keiner Beziehung nach-stand. Das in Wien, Berlin, Erlangen, Mainz, Lurcmburg undandern Städten gefertigte übertrifft sogar aus mannigfachen Grün-den an Güte das früher vom Auslande erhaltene Leder, so daßmehrere unserer inländischen Handschuhfabrikanten ganz erheblicheSendungen ihres Erzeugnisses, dem Auslande zusenden, wodurchein dem früheren Stand der Dinge vollständig entgegengesetztes, füruns Deutsche ebenso ehrenwerthes als erfreuliches Resultat sich her-ausstellt. Unsere Mainzer und noch mehr die Berliner Ausstellungbewies es, welchen Erfolg deutscher Fleiß und deutsche Betriebsam-keit auch in diesem Industriezweig sich zu erringen wußte und wieinsbesondere die sonst so berühmte französische und italienische Waaredie Güte des deutschen Produktes kaum noch erreicht. Der deutscheFabrikant wußte die Feinheit der Felle von Annonay, die Zartheitund Schönheit der Handschuhe von Grenoble sich ebenso anzueignen,wie die Dauer derer von Paris und die Billigkeit der Handschuhevon Vendome und Milhaud.
Dieser einzige Artikel vermag uns mit allen Theilen der Weltallein schon in Verbindung zu bringen, und von welcher enormenBedeutsamkeit er schon dermalen ist und noch werden kann, dafür