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Stadt keine Wcißgerberei besaß, ließ man die nöthigen Felleaus Grenoblc kommen, wo sich von jeher die Gerber durch dieGüte ihrer Waare auszeichneten. Vor etwa 90 Jahren kam einKaufmann, welcher Felle von Grenoblc nach Graste geschicktund sie als Handschuhe zurück erhalten hatte, auf den glücklichenGedanken, zwei Handschuhmacher von Graste nach Grenoble kom-men zu lassen und sie zu beschäftigen. So entstand in dieser mitunserm Darmstadt gleich großen Vaterstadt Bavards, Baucausonö,Condillacs und Mablps ein Gewerbe, welches dermalen ein Dritt-thcil sämmtlicher Bewohner beschäftigt und täglich für mehr als6000 Gulden, jährlich für wohl volle 2 Million Gulden Hand-schuhe allein liefert. Bavard, dem Ritter ohne Furcht und Tadel,errichtete man eine Ehrensäule in unsern Tagen und begrub in frü-heren Tagen seine Hülle feierlichst in dortiger St. Andrcaskirchc,den Namen des Mannes aber, der sich solch' hohe Verdienste umden Nahrungsstand seiner ganzen Vaterstadt erworben, weiß Nie-mand zu bezeichnen und doch fürwahr verdient dessen Bildsäule we-nigstens eine ebenso ehrenvolle Stelle als die des Bayard, denn jenerEhrenmann schuf mehr als klaffende Wunden und Leichen, er schufeine sorgenfreie Eristenz von Tausenden seiner Mitbrüder. Laßt unsähnliche Verdienste vereint mit unseren Staats- und Gemeindekräf-ten auf gleich praktische Weise uns erwerben, die Gemeinden lwer-den bald an der Minderung der für ihre Armen zu verwendendenSummen und wir an unserm steigenden Wohlstand den gestiftetenNutzen gewahren und wir können mit dem Bewußtsein dereinst inunsere „stillen Kammern" gehen, auch unser Schärflein zum Wohlder leidenden Menschheit beigetragen zu haben.
*) Die Wcißgerberei umfaßt den Gerbeproceß, bei welchem statt Lohe eineAuflösung von Alaun und Kochsalz angewendet wird. Die Gerbereides Handschuhlcders ist nur eine besondere Abtheilung von ihr, indemman bei ihr die mit der Alaunbrühe gegerbten Uöscn noch in einenGerbeteig bringt, »oiiro en päirk, der dazu bestimmt ist, das Leder nochgeschmeidiger zu machen, ihm einen weichen sanften Angriff zu gebenund die weiße Farbe zu erhöhen. Man fügt nämlich zur AlaunbrüheWeizenmehl, kocht dieses zu einem Teig und setzt dann Eigelb hinzu.Andere nehmen Milch, Eigelb und feines Olivenöl. Man giebt denFcllchcn, die entweder weiß oder gegerbt vorkommen, auch wohl nocheinen besondern Ueberzug von Eiweiß, Stärke und Traganth; unddiese liefern die so beliebten Glacehandschuhe.