340
Allem den Kindern die Eigenschaften und Kenntnisse beizubringen,welche sie in den Stand setzen werden gegen die Armuth zu kämpfen,eine bessere Eristenz sich anzugewöhnen, ihnen ihr mitunter halbthie-risches Dasein zum Bewußtsein zu bringen, es ihnen zu verleiden,bei ihnen den Sinn und das Bedürfniß für bessere Genüsse, für dieedleren Zwecke der Menschheit zu erwecken, sie an das Sehnen nacheinem besseren Haushalte und Familienleben, an die Interessen desgeselligen Fortschritts zu gewöhnen, kurz sie aus dem Schmutze derRohheit und Unkultur herauszureißen. Was zumeist unsern so vor-züglichen Volksschulen noch fehlt, ist die Hinneigung zur praktischenTendenz. Ich beginne mit den besonders in Fabrikgcgenden sowahrhaft segensreich wirkenden Kinderbewahranstalten,Kleinkinderschulen,
für deren Gründung auf dem Lande vor Allem unsere Herrn Geist-lichen und Lehrer ungemein viel leisten könnten, sobald sie nur ihrenwichtigen Beruf in seiner ganzen Größe erkennen, ihre einflußreicheStellung benutzen und, keine Hemmnisse scheuend, Hand an's Werkunerschrockenen heiteren Sinnes legen. Haben sie den Boden ihrerGemeinde empfänglich für gute Saat gemacht, diese wirklich ihm ingeeignetster Menge anvertraut, so kann's sich nicht fehlen, daß sieaufgeht, frisch gedeiht und reichliche Ernte verspricht. Zu dieserErnte rechne ich auch den gepflegten Sinn der wohlhabenden undmildthätigen Glieder ihrer Gemeinde, willig beizusteuern, gilt esihren darbenden Mitbrüdern aufzuhelfen und mittelst ihrer Wohlthatendie Kluft auszufüllen, welche sie von ihnen trennt, gilt es vor Allem,um die Kinder ihrer dürftigen Nachbarn vor Schaden und Unfällenzu bewahren, sie zu unterrichten und den ersten Keim zu ihrer Her-anziehung als demnächst tüchtige Glieder des Staats zu legen. DerOrtsvorstand wird bald in sich den Wunsch fühlen, diesen Kindernein Vater zu sein, der sie um sich her versammelt, sie wärmt, ver-sorgt, unterhält und belehrt, und dann sicherlich in wenig Jahrenden Segnungen der Armen und den Früchten der guten Saaten aufjedem Schritte begegnen, die er ausgestreuet hat. Die Kinder ge-wöhnen sich in solchen Versammlungen schnell an Ordnung, Zucht,Verträglichkeit und Liebe zu ihren Genossen. Es erwacht in den-selben ein Wetteifer ihrer angebeteten Lehrerin mittelst guter Auf-führung rechte Freude zu machen. Die Erfahrung lehrt, daß die vor-trefflichen Eindrücke, welche die Kleinen von ihrer Schule ihren