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Eltern mitheimbringen, selbst auf diese nur höchst heilsam wirken,deren Behausung wohnlicher machen. Wie unser oft schon genannterGerando so schön äußert, sind diese allerliebsten kleinen Wesen, wennsie des Abends von ihren Sammelplätzen in den Schooß der Arbei-terfamilien zurückkehren, gleichsam demüthige und sanfte Boten,welche Heiterkeit und Munterkeit mitbringen und durch ihre Gegen-wart die Ungeschliffenheit der seitherigen Gewohnheiten mildern. DasWohlgefallen an Reinlichkeit, welches die Kinder bei Zeiten lernen,theilt sich unvermerkt denen mit, welche sie umgeben. Die Reinlich-keit, das Bild der Unschuld und des Anstandcs, unterhält die Liebeund das Gefühl der Sittlichkeit. Das Kind lernt denken, unter-scheiden, die Eltern schämen sich, ihre kleinen Kinder besser unter-richtet und aufgeweckter zu sehen und schon manche kamen hierdurchselbst schon zu ernstem Nachdenken.
Mit wahrer Freude und inniger Theilnahme vernimmt jedesJahr das größere Hessische Publikum das Gedeihen der in Darm-stadt schon seit längerer Zeit segensreich wirkenden Kleinkinderschule,die meines Wissens dem ächt christlichen Sinne einiger edlen Frauenund Jungfrauen ihre Entstehung verdankt, welche fortwährend nochmit der Güte und der mütterlichen Sorge und jcirer warmen undliebreichen Zärtlichkeit, die nur den Frauen eigen ist, unter demSchutze unserer allverehrten Frau Erbgroßherzogin die Gesundheit derKinder, ihre Mahlzeiten, ihre Kleidungsstücke, ihre Spiele und Arbeitenüberwachen. Diese hohe Frau kennt wohl keine schöneren, keine reinerenFreuden als die, den zahlreichen, so glücklich darin weilenden Kinderndürftiger Eltern insgesammt eine Christfreude zu bereiten und an die-ser ihr wohlwollendes Auge zu laben. Schon hat diese wohlthätigeAnstalt im Lande mehrfach Nachahmung gefunden, möchten dergleichennach allen Richtungen hin gleich einem segensreichen Baume sich aus-breiten und die gesündesten nahrhaftesten Früchte tragen in allenTheilen des Großhcrzogthums. Werden die noch nicht schulpflichtigenKinder unter sechs Jahren mit gehöriger Vorsicht wegen Zerreißung derFamilienbande den schädlichen Einflüssen ihrer Umgebung: der Armuth,de s Lasters und der Geistesbeschränktheit entzogen, gibt man schon ihnenG elegenheit zu geistiger, sittlicher und religiöser Vorbildung, dannkömnen sie viel leichter in den eigentlichen Schulen zu Menschen (imedelsten Sinne des Worts genommen) herangezogen werden. DieThatsache, daß in diesen Jahren zarter Kindheit der erste Grund zu