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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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15,000 Exemplare abgesetzt wurden. Diese auch in unsere Spracheübersetzten ebenso geistreich als einfach klar gehaltenen Gespräche be-handeln ohne Ausnahme in faßlich belehrender Weise die Fragen derJetztzeit. Zum Schlüsse mache ich auf die von dem edlen Benja-min Franklin für Aufklärung und Veredlung des Volks geschrie-benen trefflichen Abhandlungen und Erzählungen, insbesondere aufseine immer noch in zahllosen Exemplaren in Amerika, Frankreichund England verbreiteteWeisheit des guten Richard" auf-merksam. Gleich unserem Justus Moscr dringt hier Franklin in dieletzten Grundanschauungcn des Volks von seinem Leben und Rechts-zustande, in das Heiligthum seiner Sitten und Gefühle ein. Wieunser Moscr und Hebel stellt er aus des Volkes eigenen Gefühlenund Vorstellungen heraus diese anschaulich und ergreifend dar. Erwirkt dabei mit seinem ächt praktischen Sinn vor Allem für das,was dem Volke Noth thut, für den Kern der Volkstugend undVolkstüchtigkeit, neben einer aufgeklärten und duldsamen, aber wahr-haft religiösen Gesinnung, auf Mäßigkeit, Ehrlichkeit und Betriebsam-keit. Durch Inhalt und Einkleidung ist hier die schwere Aufgabeguter Volksschriften gleich musterhaft gelöst. Lord Brougham er-warb sich das hohe Verdienst, sie in allen englischen und schottischenHandwerkerschulen und Büchersammlungen einzuführen, möchten an-dere sie für unser deutsches Vaterland zu einer gleich überaus segens-reichen Quelle der Volksbildung in allen deutschen Gauen gleich ein-heimisch machen.

Hier gilt es kräftigst in Bestehendes mit wohlüberlegter Be-nutzung des Gesammtverstandes und mit entsprechend ergiebigen Zeit-und Geldopfern einzugreifen, nicht genügt es in all' diesen Erzie-hungszweigen sich mit schönen Redensarten zu helfen, oder in philo-sophischen Grundsätzen zu drapiren. Geschieht jenes zeitigst, so istaber auch große Aussicht vorhanden, daß solchergestalt mit vereintenKräften unsern Volkslehrern, Geistlichen, Werkmeistern, wie allenwahren Vatcrlandsfreundcn gelingen wird, auch unsere heranwach-sende ärmere Umgebung an die Bedürfnisse einer besseren Ernährung,größerer Reinlichkeit und gesunder Wohnungen zu gewöhnen, kurzsie für das Wohlbefinden ihrer Familien zu interessiren und sie vonleichtsinnigen Ehen zurückzuhalten. Sobald dieses Bewußtsein fühl-bar wird, muß auch von selbst die Zahl jener Proletarier sich zuse-hends mindern, welche nur von der niedrigsten Handarbeit lebt, sich

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