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Bei den Lehrern muß es zuerst besser werden, ehe mit derpraktischen Volksbildung mit Erfolg vorwärts geschritten werdenkann. Es erscheint solches um so dringender, als es Thatsache ist,daß die Schule von jeher das Glück oder Unglück hatte von allenEinflüssen der Zeit stets am fühlbarsten und am frühesten berührtzu werden, als es Thatsache ist, daß die Zeit, die allmählige Ent-faltung der Verhältnisse überholt hat, so daß das gegenwärtigeVolksschulwcsen den Anforderungen der Jetztzeit und Zukunft un-möglich mehr vollkommen zu entsprechen vermag, und wir, ändernwir solches ab, keinen Sprung thun, sondern der Zeit nur nach-schrciten. Wir leben in den Tagen der Erfindungen, der mächtigstensocialen Bewegungen, welche die Geschichte kennt, die alle unsere in-neren Volks- namentlich deren Erwerbsverhältnisse durch und durchin ihren Bereich ziehen, zum Theil ihnen eine ganz andere Richtunggeben. Vor unsern Augen sehen wir ein Ringen und Schaffen inallen Gebieten menschlicher Thätigkeit, in Wissenschaften, Kunst, nochmehr im Bereich der Gewerbe, des immer großartiger auch für unssich gestaltenden Handels. Wir fühlen uns heimisch in vor wenigJahren noch fremden Welten, die nun unserm sinnlichen wie geistigenAuge geöffnet sind. Kein Monat verfloß in den jüngst durchlebtenJahrzehnten, der nicht einer Erfindung sein Dasein gegeben hätte,die in früheren Jahrhunderten den Erfinder auf den Scheiterhaufengebracht haben würde. Mitten in diesem Strudel steht unsere Ju-gend nicht still, sie will sich bethciligen an dem Ertrag jener, denmenschlichen Geist ehrenden, alle Erwerbsverhältnissc umkehrenden,in dem Bereich der früher so geheimen Kräfte der Natur gemachtenEntdeckungen. Auch sie will bei der durch sie möglichen Verbesse-rung und Bereicherung menschlicher Subsistcnzmittel nach Kräftensich betheiligen. Durch welches Mittelglied vermag sie dieses leichter,allgemeiner und zugleich gründlicher als gerade durch unsere Volks-schullehrer? An ihnen vor Allem, im Vereine mit unsern Geistlichen,liegt es, in dem wirbelnden Strudel unserer gesellschaftlichen Zuständedas Ruder des mit der Masse, mit dem Kerne des Volkes, demBauernstände bevölkerten Fahrzeuges, wie es ihm zumeist frommt,zu steuern. Vermag er dies, wenn er auS dem engen Kreise seinesDorfes heraus in eine Lehranstalt, Seminar genannt, tritt, die ihmkaum einen bescheidenen Anfang von Welt- und Menschenkenntnißbeibringt? Unsere künftigen Volkölehrer verlassen sie, ohne je den