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Unser klar sehender Gcwerbverein erkannte sehr bald den hohenWerth desselben für die höhere Ausbildung unserer vaterländischenIndustrie. Wenige Jahre nach seiner Gründung rief er schon inDarmstadt, Main; und Gießen,
H a nd w er ksz ei ch n e n s ch ul e nin's Dasein. Diese verschaffen dem Lehrlinge, wie später dem Ge-sellen, eine früher nicht vorhandene Gelegenheit, die Kenntnisse, dieer in der Schule sich erworben, nicht allein festzuhalten, sondern sieauch weiter auszubilden und zwar mit besonderer Rücksicht auf dasspeciell von ihm gewählte Gewerbe. Der Handwerker erwirbt sich indiesen praktischen Anstalten diejenigen für seinen künftigen Woblstandhöchst wichtigen Kenntnisse, die ihm zum rationellen Betriebe seinesGeschäfts unentbehrlich, die aber meist zu speciell technischer Natursind, als daß sie wesentlich in den Kreis des Umcrrichts unsererVolksschulen aufgenommen werden können. Die fortwährend steigendeTheilnahme und der unerwartet große Zudrang von Lehrlingen undGesellen in den Feierstunden an Abenden lind des Sonntags Mor-gens zu diesen wohlthätigen Schöpfungen zeigte bald, in welchemGrade hier man einem wahren Bedürfniß zuvorgekommen war undveranlaßte ihn sofort auch zu deren recht zahlreicher Gründung aufdein Lande unter dem Anerbieten einzuladen, jedem gehörig zur Er-thcilung eines technischen Zeichnenunterrichts befähigten Lehrer, wel-cher die Errichtung von Handwerkzeichnenschule beabsichtige, durch un-entgeldliche Ucberlassung der erforderlichen Vorlegeblätter behülflichzu sein. Gerne hätte er, wie in jenen drei Provincialhauptstädten,alle Kosten überall übernommen, aber seine so vielfach sonst-in An-spruch genommenen Mittel erlaubten nicht ein Mehreres als erwähntzu leisten. Doch zeigte sich auch dieses Anerbieten höchst zeitgemäß,in allen Theilen des Landes machte man von ihm Gebrauch undbereits jetzt bestehen in unserm kleinen Großherzogthum nicht wenigerals 28 solcher Handwerkcrzcichnenschulen, wovon 19 Ende v. I.1846 schon 854 Schüler zählten. Sie alle äußerten einen sehr gün-stigen Einfluß auf die Ausbildung der jüngeren Handwerker. Diesegenießen den Unterricht theils ganz uncntgeldlich, theils entrichtendie bemittelteren einen geringen Beitrag. Viele Gemeinden unsersGroßherzogthums wetteifern in freier Ucberlassung der nöthigen Räumeund selbst Geldunterstützungen, manche Schulen haben bereits mit