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ren Räumen, selbst das kleinste Zimmer des Bürgers, geschmückt inden besten Farben mit den schönsten und amnuthigsten Fresko-Ge-mälden, oft die anziehendsten lieblichsten Scenen aus der griechischenund römischen Geschichte und Mythe, oder doch Guirlanden, Rau-ten, Säulen, Kreise und Vögcl darstellend. Nirgendswo wird desWanderers Schönheitssinn beleidigt, vielmehr überall fast wahrhaftgefesselt. Und doch waren die Fertiger dieser Gebilde eine nichthöher damals als jetzt unsere Wcißbinder und Tapetensabrikantcnstehende Handwerkerklasse. Achnlich Erfreuliches läßt sich von demEindruck sagen, den der Mosaikfußboden, auf welchem man dortin den vom Vesuv zu Titus Zeiten verschütteten und nun wiedererstehenden Städten wandelt, hinterläßt ").
*) Noch mehr wo möglich steigert sich des Fremdlings Staunen beimEintritt in Italiens gleichlos reiche Sammlungen antiker Kunstwerke,namentlich der zu Neapel im s. g. Studienpalast befindlichen.Schon in den ersten Sälen bereitet dem Beschauer der Anblick der an-tiken Malereien einen unvergeßlichen Kunsthochgenuß. Wenn je dieKunst ihr göttliches Recht wieder in der Welt erlangen sollte, mußsie sich gestalten, wie sie bei den Griechen und Römer» war. Hervor-gegangen aus dem schönen Lebensprincip einer großen blühende» Zeit,war sie deren treuer reiner Spiegel. So stand sie da, eine Tochterdes Himmels der Erde, mit der Poesie als schmückendes Princip, dasdie Nacktheiten der Erde mit zauberischen Blumenteppichen bedeckt undin den See» und Bächen das Spiegelbild des Himmels malt. Diemeisten dieser antiken Malereien sind Scenen aus der Mythe oder ausder Geschichte, oft mit den köstlichsten Arabesken. Die heitersteLaune und Lebenslust bekunden diese MVOsährigen Kunstdarstellungendessen, was sich in dem Volksleben ereignet und Mas diesen oder se-ilen gerade besonders angezogen hat. Wie ihr Dasein ferne, allerphiliströsen Prosa, fast nur von der poetischen Seite sich zeigt, so zogauch durch ihre Kunst selbst ein hochpoetischer Hauch; was im Lebensie am höchsten begeisterte, beseelte, am tiefsten durchdrang, das wähl-ten sie vor Allem zum Gegenstand ihrer Kunst und wie um diese stre-bende Sonnenare sich bunt und leicht, wie ein heiter blitzender Ster-nenrcigen, die kleineren Erscheinungen des äußeren Lebens drehten,so flochten sich auch diese um ihre Kunst. Diese zeigte sich ihnen nichtals ein seltner Vogel, den man besucht, ihn nur einmal zu hörenund zu sehen, sondern als ewig tönende Musik, als stets aufgeschla-genes Buch, in dem sie blättern und finden konnten, was sie wollten.Nichts Irdisches noch Himmlisches brauchten sie aus tausend Büchernzu lernen, lebendig trat ihnen Alles entgegen, daher ihre äußerst nai-ven und launigen, förmlich der Natur abgestohlenen Genrebilder, die