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Zu Bcauvais, wie in der ganzen gewerblichen Norniandie lang-weilen sich nicht die Kinder in dem unzweckmäßigen Zeichnen vonGliedern des menschlichen Körpers, von Vierecken, Dreiecken u. s. w.,oft mit sklavischer Nachahmung von Vorlegcblättern, wodurch sohäufig aller Lüsten zum Zeichnen im Keim schon erstickt wird, son-
bei aller Virtuosität ganz antpruchlos ausgeführt, wie jene lustigenWitze und drolligen Späße in Sheakspears Stücke uns entgegentreten.So fanden sie auf das Herrlichste ihre Götter mit sich verflochten, denHimmel mit der Erde, die Vergangenheit mit der nächste» Gegenwart,so ward der, welcher a» materiellen Dingen sich hielt, mimerklichdurch ihr anlockendes getreues Bild hinübcrgeführt zu höherem geistigenStreben und der unpraktische Schwärmer hcrabgestimmt zu seiner reellengesunden Lehensansicht. Unwillkührlich führte als Mentor sie auf ih-rem ganzen Lebcnspfad in all' seinen Windungen die schöne Harmonieder Kunst. Daher der Charakter ihre derartigen Schöpfungen, jenerMalereien, wie der höchst vollendeten, wie der Marmor- und Bronze-bildwerke, die bei all' ihrer einfach großartigen Anlage oft wunder-bar fesseln, durch die Mannigfaltigkeit von Reiz, den sie in diese dochden ganzen Reichthum der Natur wiedergebende Einfachheit zu lege»wußten. Man muß gestehen, hier ist wohl die höchste Vollendung,ja man wähnt, eine feinere ausbildende Kunstschöpfung'ins Dasein zurufe«, sei rein unmöglich für den menschliche» Genius. Die Tausen-den von Bronzegeräthschaften gehören fast ansschließlich in den Bereichunserer Küchen-, Tisch- und Toilctterfordernissc; aber in den einfach-ste» Kasscrolen, Pfanne», Schüsseln, Töpfen, Krügen, Kandelabern,Märchen und Opfergeräthschaften ist ein solcher Reiz in dem Verhält-niß der Formen und dem wenigen Schmuckwcrk, daß stundenlang derFremdling davor stehen und doch immer Neues, stets etwas Schöne-res daran zu entdecken vermag, wie gefesselt vor ihnen weilt. Manerkennt fast noch zumeist in diesen Erfordernissen des Alltagslebens,wie die Kunst, der Sinn für Schönheit und Zierde, wie die Graziein der Bewohner Dasein gleichsam verwebt war und nicht, wie beiuns, nur als Wenigen beschiedene Gabe sich zeigte. Dem. Geiste derAlte» war es unmöglich, etwas ohne Schönheit zu denke», bei ihnenwar das Gefühl des Schönen die Grazie förmlich eine Art Instinkt.Wo wäre es sonst möglich, dort fast kein Gerüche unter der fast zahl-losen Menge zu finden, das nicht durch den Zauberer der einfachenForm noch irgend eine paffende phantastische Spielerei ihre oft wun-derlichen Verzierungen den Wanderer zu fesseln vermöchte. So ihreHunderte von Lampen, die fast durchgängig schön, sowohl in der Ge-stalt wie Zdee originell und doch immer geschmackvoll einfach und an-spruchlos mit der vollendetsten Sorgfalt gearbeitet sind. Was vonFigurchen und sonstigem Bildwerk sie schmückt, ist so trefflich gezeich-net und modellirt, mit solcher Sachkenntniß und Meisterschaft und sol-