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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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länder und durch konsequentes Befolgen desselben gelang es, in ei-nem vierzigjährigen Kampfe auf Leben und Tod, diesem friedfertig-sten Volke wohl Europen's, das Joch des finsteren Tyrannen Phi-lipps II., des mächtigsten Fürsten seiner Zeit, abzuschütteln, dessengefürchtete Uebermacht unsern ganzen Welttheil zu unterjochen drohte,dessen Schätze die vereinigten Reichthümer aller christlichen König-reiche überstiegen, dessen Truppen und Flotten an Zahl und innererTüchtigkeit bisher keinen Nebenbuhler auszuweisen hatten. Vermochtedieses die bürgerliche Stärke und Einheit der wenigen, sonst so fried-lichen Holländer, warum sollte es uns Hessen nicht gelingen, mit-telst vereinter Kräfte zum Heile unserer Mitbrüder weit Geringereszu erzielen? Die Wirksamkeit des Hülssvereins hätte nach dem seit-herigen ein dreifaches Ziel: Unterricht, Aufmunterung undSchutz. Ersterer, dieses Licht, das dem Arbeiterstande nur zu oftnoch abgeht, ihm häufiger, viel nöthiger als baare Unterstützung ist,dessen Verbreitung aber, wie wir gesehen, nicht so leicht sich be-werkstelligen läßt, muß ihm unter verschiedenen Formen auf mehr-fache Weise durch eine mehr oder minder allgemein gehaltene Sprache,zuweilen jedoch auch mittelst unmittelbarem und persönlichem Zure-dens zu Theil werden. Anfänglich wird das Bedürfniß des Au-genblicks vorzugsweise zu beachten, zu erwägen sein, welche Gebre-chen abzustellen, welche Verbesserungen vorzuschlagen, worauf über-haupt die Thätigkeit zunächst zu richten sei, er wird eben so gut vorunüberlegten Verbesserungen warnen, als schickliche vorschlagen. Letz-tere aber nur dann, sobald er sich von deren: praktischen Werth,ihrer Anwendbarkeit und Ausführbarkeit durch die gründliche Unter-suchung Seitens eines, oder mehrerer möglichst Lokalkundiger undSachverständiger gehörig überzeugt hat, damit mit dem Vorschlageselbst auch die Angabe der Rücksichten mit verknüpft werden kann,welche örtliche Verhältnisse, die Natur des Bodens, der Grad derBildung und Fassungsgabe des resp. Arbeiters etwa erheischen mö-gen. Auf diese Weise wird jeder voreiligen Einführung im Keimevorgebeugt werden. Es ist unzweifelhaft ein schöner Beruf, den Ar-beiterstand über sein eignes Beste und die damit unzertrennlich ver-bundenen Pflichten aufzuklären, ihm, wo es nur irgend förderlich zuseinem Gedeihen uns dünkt, auf seiner gewerblichen Laufbahn alsFübrer zu dienen, ihm schätzbare Ansichten der praktischsten Mit-tel, über Ordnung und gute Sitten zu schicklicher Stunde, ohne