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vierziger Jahren schon größtentheils aus diesen wilden, herumzie-henden Völkern, unfähige Arbeiter schaffen, ihre Nomadeneristenz fastgänzlich umwandeln. Da sie nämlich von jeher nur von einemTag zum andern lebten, ohne an die Zukunft zu denken, so kann-ten sie bis zur neuesten Zeit kaum eine andere Quelle des Reich-thums als die Viehzucht, welche bei aller persönlichen Unthätigkeitzur Befriedigung ihrer sämmtlichen Lebensbedürfnisse, trifft sie keineRinderpest, hinreicht. Da diese jedoch öfters unter den Heerden sicheinstellt, so kann der Reichste in Kurzem dort bettelarm werden. Auchsieht man in den von der Pest heimgesuchten Jahren ganze Hordenvon Kirghiscu die Gegend zur Auskundschaftung von Nahrungs-gucllen durchziehen. Seit sie nun wissen, daß russische Unternehmerin ihrer Nähe Arbeiten begonnen haben, bei welchen jeder mit ge-sunden Gliedern versehene Mann nicht nur ein Ende seines Elends,sondern auch Mittel findet, seine Zukunft sich zu sichern, sieht manjährlich schaarcuweise die Kirghiscn nach diesen Stellen ziehen, wovonviele nach beendigter Arbeitszeit in ihre Hcimath zurückkehren, manchenehmen ihre Ersparnisse mit, manche sogar Werkzeuge zum Acker-bau, wie Hacken, Rechen, Sägen u. s. w. und führen diese nütz-lichen Dinge zum Erstaunen ihrer wilden Landsleute ein. Sie wer-den Missionäre der Civilisation.
Ein Holzschneider, Jacopo Casoglio, eröffnete im Jahr1818 zu Rom eine Abendschule für die armen Kinder, welche andem Besuch der Elementarschule in der Woche gehindert waren. Ersammelte diese Kinder längst den Gestaden der Tiber, vereinigte siein einem Saal, unterrichtete sie, wobei er sie auch durch unschul-dige Reizmittel an sich zu ziehen und bei sich zu behalten wußte. Erschuf aus ihnen fast nur tüchtige Glieder des Staates, ganz andereals ihre Eltern, ihre ganze Umgebung. Diese Beispiele, jenesder Wirksamkeit des trefflichen Pfarrers Oberlin im Elsaßer Stein-thal mögen uns Muth und Vertrauen einflößen.
Lohnen so hohe Ergebnisse nicht die darauf verwandten Mühen,die ihnen gebrachten Opfer? Sind doch in allen Combinationen,welche auf den Werken des Menschen ruhen, die Gefahren die Be-dingung des Erfolgs, und werden doch überall die Vortheile mit-telst Opfern errungen.
Man glaube doch ja nicht, daß, wenn wir nur 2 Jahr reich-liche Ernte erhalten, aller Nothstand vorüber wäre. Der Abfluß