408
Ihr Reichen, wen» ihr euch behaglich pflegtUnd euch aufs weiche Ruhekissen legt,
Bedenket doch im sanften Nuhgenuß,
Wie um sein Brod der Arme ringen muß.
Ihr Reichen, habt Erbarmen, habt Erbarmen!Da Euch des Glückes Segensquelle fließt,Vermindert mitleidsvoll die Noth der Armen,Damit der Himmelsvater aus ErbarmenAuch euch und euern Kindern gnädig ist.
Daß, wenn einst euer letztes Stündlein schlägt,Der Trostgedankc sich im Busen regt:
Daß ihr gedacht in euerm UebcrflußDes armen Bruders, der auch leben muß.
Achtundzwanzigster Abschnitt.
(Schluß).
„Die Tugend und die Industrie sind stets Genossinnen der Ordnung und die Faulheit und die Aus-schweifung stets Genossinnen der Unsittlichkeit."
Locke.
Bei unö giebt es keine Armen."
(Antwort des normannischen LandmannS.)
Der Zweck der seitherigen Ausführung ist nur mein Scherfleindazu beizutragen, einen Grad von Wohlstand in unsern heimischenGauen herbeizuführen, der auch bei uns jeglichen Bettel, dieses be-queme Füttern der Trägheit, immer mehr und mehr entfernt, jaganz unbekannt werden läßt. Ich halte es für möglich, daß, wirdjede Arbeitskraft nach der vorhandenen individuellen Fähigkeit benutzt,hierdurch die Alimentation erleichtert und die Arbeitslust gefördert,unsere Verhältnisse im Großherzogthum Hessen, wie überhaupt imdeutschen Vatcrlande einen solch' blühenden Zustand herbeizuführengestatten, daß jeder Arbeiter nicht allein, wie in Sachsen oder Schott-land, ist er auch noch so gedrängt, es unter seiner Würde hält, seinenGemeinden oder Privaten zur Last zu fallen, sondern, daß dieseinnere Nothwendigkeit der Selbsterhaltunz gar nicht mehr auftaucht,ein jeder gesunde Deutsche stets mittelst seiner fleißigen Hände Arbeitsich in der Lage fühlt, sich das Nothwendige, ja mehr als das zu