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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Auf beide interessante Gegenden zurückzukommen, wird mir wobl einanderes Mal schickliche Gelegenheit werden. Im obcngenanntcn hilftbeinahe durchgehcnds die ganze Familie dem Gatten und Bater,Knaben wie Mädchen in jeglicher von ihrer Schule nicht in Anspruchgenommenen Stunde und fast jede Familie ist auch hier im BesitzdeS nöthigen Feld- und Gartenlandes, sowie des erforderlichen Rind-und Federviehs, im Genuß eines Zustandes, der sie den Wechsel-fällen der Zukunft mit Ruhe entgegen sehen läßt. Aeußerst zufriedenmit ihrem Dasein steht diese industrielle Bevölkerung in moralischerwie materieller Beziehung, wie eine auf Erden hoch dar, kaum kommtein Rechtsstreit, fast nie ein Verbrechen oder nur Vergehen vor, dasverderbliche Laster der Trunksucht kennt man kaum mehr und eigent-liche Bcdürstigte sind oft mit dem bcßten Willen nicht ausfindig zumachen. Nur unter den Kranken und bejahrten Personen giebtswahrhaft Bedürftige, ja selbst bei diesen ist die Hülfsbedürftigkeitmehr Folge vorübergehender Unfälle als eines dauernden Zustandesund fragt man nach der Ursache dieses fast beneidenswertsten, jeden-falls nachahmungSwürdigen Zustandes, ein Jedes, wohl gar dasKind wird Euch antworten: der Einbürgerung der Industrie inuntern Gegenden haben wir diese jeden Tag fühlbarer werdendeVerbesserung unserer Sitten, unsers fortwährend steigenden Wohl-standes zu verdanken, ja sogar unsere erhöhte Fähigkeit zu denken undzu erkennen. Dieses freudige Bewußtsein, diese wohlthuende Antwort solluns in ein, auch zwei Jahrzehnten auch unsere hessischen Mitbrüdermit voller Ueberzeugung geben können. Tragen wir das Unsrige zurErreichung dieses Zieles bei, der Erfolg auf der seither besprochenenBahn hat noch keinem Volke gefehlt, welches den Zweck ernstlichwollte und beharrlich erstrebte und ausführte. Ich vertraue um somehr einem glücklichen Gedeihen, als die eben erwähnten Gegendendenen unsers Großherzogthums sehr ähneln, die der untern Seineentsprechen unsern Ebenen, der Kanton Ereil unsern Gebirgsgegenden.Auch hier findet sich auf waldigem Gebiete eine Bevölkerung zusam-mengedrängt, welcher der Feldbau allein unmöglich hinlängliche Nah-rung zu bieten, jederzeit alle Arme zu beschäftigen vermag, wo daherebenfalls in Folge der unwicderstehlichcn Gewalt der Umstände derBergbewohner zu den Gcwerbsbeschäftigungen hingezogen wurde.Mit welch' glücklichem Erfolg, haben wir gesehen.

Wir wollen, daß das Licht des Tags reichlich in die Wohn-