Ueber die chemischen Kräfte.
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1. Chemische Kräfte.
Alle einfachen Körper besitzen ohne Unterschied ein Be-streben, sich unter einander zu verbinden; man denkt sichdeshalb in denselben eine Kraft thätig, welche man »Ver-einigungskraft, Affinität« nennt.
Wir sehen die Stoffe Verbindungen eingehen; es mußalso eine Ursache zu dem Vermögen, sich zu vereinigen, inden Körpern vorhanden sein. Es giebt kein Element, welchessich nicht mit einigen anderen verbinden könnte, es besitzendaher alle Elemente ein und dasselbe Vermögen, dieselbeKraft, wenn schon in verschiedenem Maaße. Sich verbindenzu können, ist also eine allgemeine Eigenschaft der Materie,die Folge einer Kraft, welcher alles Materielle unterworfenist, welchen Namen es habe und zu welchem Naturreiche esgehöre.
Wir nehmen indessen an den einfachen Körpern nochviele andere Eigenthümlichkeiten wahr. Für Alles dies be-sondere Fräste anzunehmen, möchte die Wissenschaft ebennicht vereinfachen. Aber es ist doch unmöglich, sich von ei-nem Element eine richtige Vorstellung zu machen, wenn wiruns dasselbe bloß undurchdringlich, schwer, ausgedehnt undvon allen andern materiell verschieden denken sollen, unddabei untheilbar und von einem Bestreben erfüllt, sich mitandern Elementen zu vereinigen. Welche Vorstellung könnenwir, sobald wir uns an diese Begriffe allein halten und un-sern Blick nicht weiter reichen lassen, uns von dem Isomor-phismus, der Jsomerie und dem ganz verschiedenen Cha-rakter jedes einfachen Körpers dem andern gegenüber, voneiner dynamischen Verschiedenheit machen? Gewöhnlich be-schränken wir uns zu sehr auf den rein materiellen Unterschied.
Kupfer und Quecksilber denken wir uns roth und weiß,fest und flüssig, nicht flüchtig und flüchtig und verweilen zulange bei diesen und ähnlichen bloß physikalischen Verschie-