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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Ueber die chemischen Kräfte.

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liefern uns die allotropischen Körper, der Kohlenstoff, derPhosphor und mehrere andere.

Ob allen Elementen e i n Stoff zu Grunde liegt, so daßsie nicht materiell, sondern dynamisch verschieden sind, oderob es so viele Elemente giebt, als Gruppen isomorpher Kör-per bestehen, oder gar so viele, wie die Chemie gegenwärtigunterscheidet, das ist kein Gegenstand, welcher jetzt beantwor-tet werden kann. Wir halten uns an das, was wir wahr-nehmen und mit Sicherheit wissen, und folgern, daß jederGrundstoff mit einer Menge Eigenthümlichkeiten begabt ist,welche zum großen Theil von demselben Vermögen abhän-gen, welches Vereinigung bewirkt, d. h. von der Größe undBeschaffenheit der chemischen Spanyung.

Bei einer solchen Vorstellung haben wir meiner Mei-nung nach das gewonnen, daß wir in der todten Materieeiniges Leben auftreten sehen. Sie ist aus der unendlichenMenge von Erscheinungen geschöpft, welche im chemischen La-boratorium im täglichen Leben und in der ganzen großenNatur wahrgenommen werden. Eine solche Betrachtung be-schränkt sich nicht allein auf das Materielle, welches unsdoch keine klare, wenigstens keine praktische Vorstellung giebt,denn eine solche wäre bloß von den physikalischen Eigen-schaften entlehnt, keineswegs aber von denen, welche die Fä-higkeit der Grundstoffe, Erscheinungen hervorzubringen, anden Tag legen.

Die Frage, ob die Einführung dieses Begriffs von Thä-tigkeit neben dem von materieller Verschiedenheit für dieWissenschaft bereits einen reellen Werth gehabt hat, beant-worten wir mit »Nein«. Man hat von diesem Gesichts-punkte aus die Wissenschaft noch zu wenig behandelt; sie istnoch nicht hinlänglich mit unwiderlegbaren Thatsachen verse-hen, um in jener Richtung schon verfolgt werden zu können.Aber ein Blick darauf in diesem Sinne mag als ein Stre-ben nach etwas Besserem angesehen werden.