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Ueber die chemischen Kräfte.
Von den Grundstoffen haben vier einen ganz besonde-ren Charakter. Alle übrigen sind in der Fähigkeit, sich un-ter einander zu verbinden, mehr oder weniger beschränkt,diese vier, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff schei-nen dieselbe in einem unbegrenzten Maaße zu besitzen. DieStärke und die Beschaffenheit der Affinitätskraft dieser vierElemente ist aus die mannigfaltigste Weise modificirt. Sieverdienen deshalb in der Chemie einen besondern Platz.
Blei und Sauerstoff verbinden sich immer nur in zweiVerhältnissen, PbO und Pb0 2 , und diese bilden noch einedritte dazwischen liegende Verbindung (die Mennige). Aberdie Verbindungen des Kohlenstoffs und Wasserstoffs sind un-zählbar und nicht bloß der relativen, sondern auch der ab-soluten Menge nach mannigfaltig. So hat man CHL undCII 4 , aber auch C 2 H 4 und C 4 H 8 u. s. w. Die VerbindungC 5 H s ist fast unerschöpflich, bald tritt sie auf als C 5 H 8 , bald alsC 1 ö H 16 , C 13 H 24 , u. s. w. Es giebt einen Kohlenwasser-
stoff: Q,H 2 , einen andern: 0 4 E 8 , einen dritten: C 4 H J0 u. f.w.
Eben so verhält es sich mit Kohlenstoff und Stickstoff;Stickstoff und Wasserstoff; Kohlenstoff Stickstoff, und Wasser-stoff; Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff; Kohlenstoff, Was-serstoff und Sauerstoff und mit Kohlenstoff, Wasserstoff,Stickstoff und Sauerstoff, mit einem Worte: obschon dievier genannten Elemente sehr viele Eigenschaften mit denübrigen gemein haben, so bilden sie doch eine eigene selbst-ständige Gruppe, und ihre Affinitätskräfte sind auf eine vielmannigfaltigere Art modificirt. Fassen wir die Eigenthümlich-keiten einer chemischen Verbindung ein wenig näher in's Auge.
a) Bestimmte Werthe der Kräfte, welche die Ver-einigung bewirken. Scheinbare Unthätig-keit der Kräfte nach der Vereinigung.
Die einfachen Körper unterscheiden sich, wie wir gese-hen haben, in ihrem Vermögen, sich unter einander zu ver-