14 Ueber die chemischen Kräfte.
ten, so ist mehr oder weniger von dem (X) in der Verbin-dung übrig geblieben; im umgekehrten Falle vom (O). Sel-ten heben sich beide Kräfte vollkommen auf, sondern esbleibt von der einen oder andern meist ein Ueberschuß, wel-cher sich dadurch zu erkennen giebt, daß er der neuen Ver-bindung einen dem überwiegenden Elemente entsprechendenCharakter ertheilt.
Daß die Kräfte unter bestimmten Verhältnissen von be-stimmter Größe sind, lehrt die Unabänderlichkeit der Quan-titäten, in denen sich die Elemente verbinden, eine Unabän-derlichkeit, deren Ursache nicht bloß in einem der beiden ver-bundenen Elemente liegen kann. Bei der Vereinigung ver-nichten einander scheinbar gleich große Quanta. Nehmenwir z. B. an, der Sauerstoff habe ein Vereinigungsvermö-gen von 3 (0), das Kalium von 6 (X), so müssen nach derVereinigung beider unter gewissen Umständen von 3 (0) und6 (X), 3 (X) und 3 (0) sich neutralisiren, und also 3 (X)übrigbleiben.
Dies bestätigt die Erfahrung. Kaliumoryd ist nicht in-different, sondern hat aus seine Weise eine Neigung, sich mitandern Körpern zu verbinden, eine Neigung, nicht so großals die des Kaliums, aber doch in demselben Sinne wirkend.Ein Quantum der chemischen Spannung ist also nicht mitin den indifferenten Zustand übergegangen. Nennen wir nunden im Kaliumoryd gebliebenen Ueberschuß von Kraft: 3 (X).
Unter gewissen Verhältnissen vereinigen sich Schwefelund Sauerstoff, so wie es Kalium und Sauerstoff bei ge-wöhnlicher Temperatur thun. Hierbei geht wiederum entwe-der die ganze Menge der entgegenwirkenden Kräfte oder voneiner der beiden ein Theil scheinbar verloren, und es bleibtdann entweder etwas von der Sauerstoff- oder Schwefel-kraft übrig.
Stellen wir uns vor, daß diese Kräfte im Sauerstoffund Schwefel in dem Verhältniß stehen von 3 (O): 1 (X),