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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Ueber die chemischen Kräfte.

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einigen, also auch in dem Besitze der Kraft, welche die Ver-einigung bewerkstelligt, oder in der Fähigkeit, diese unter be-stimmten Verhältnissen in Thätigkeit zu setzen. Einige schei-nen bei jeder Temperatur Verwandtschaft zu besitzen, z. B.Kalium oder Natrium zum Sauerstoff, Chlor zu manchenMetallen u. s. w. Diese Neigung ist den genannten Kör-pern eigenthümlich, und wir sagen daher mit Recht, Kaliumund Sauerstoff vermögen sich unter allen Umständen gegen-seitig zu vereinigen.

Die Vereinigungskraft zeichnet sich 'besonders dadurchaus, daß sie in kleinen unmeßbaren Entfernungen auf un-gleichartige Theilchen wirkt und eine Bereinigung derselbenin bestimmten Verhältnissen zu Stande bringt. In Folgederselben entsteht also aus zwei ungleichartigen Stoffen eineVerbindung, welche so innig ist, daß auch noch die kleinstenTheilchen beide enthalten. Ein Stück Kalium besitzt seinVereinigungsbestreben nicht als Masse, sondern es gehörtden kleinsten Theilchen an. Je feiner sogar die Masse zer-theilt ist, desto besser geht die Vereinigung von Statten.

Die kleinsten Theilchen des Kaliums und Sauerstoffsschließen sich also bei der Vereinigung an einander undkommen nachher, mit neuen Eigenschaften begabt, zum Vor-schein, mit Eigenschaften, welche größtentheils von der Na-tur der vereinigten Körper abhängig sind, also auch vonden Kräften, welche sie beherrschen.

Nach der Vereinigung hat das Kalium das Vermögen,wenigstens unter gleichen Bedingungen mit dem Sauerstoffsich ferner zu vereinigen, verloren. Die beiden Molekülehaben ihre Neigung ganz und gar befriedigt, und die beidengegenüberstehenden Kräfte haben sich demnach ganz oder zumTheil neutralisirt. Haben sie ganz einander aufgehoben, sokann die neue Verbindung sich nicht mehr mit andern Kör-pern vereinigen. Aber ist der Kraft von Kalium (K) nichtganz durch die des Sauerstoffs (0) das Gleichgewicht gehal-