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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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18 Ueber die chemischen Kräfte.

des hat wieder seinen besonderen Charakter und ebenso viel(X) und (0) wie vor der Vereinigung; dasselbe gilt vomAluminiumoryd und von der Schwefelsäure.

Einen Beweis hierzu liefert jede chemische Scheidung,wenn wir irgend einen Körper auf diejenigen, welche wirtrennen wollen, einwirken lassen. Die Kräfte (X) und (0)sind also nur unthätig, aber nicht vernichtet.

Es ist unmöglich, sich hiervon einen richtigen Begriffzu machen, wenn man annimmt, daß die Moleküle der Ver-bindung fest an einander liegen; in diesem Falle müßten dieeinander entgegenwirkenden Kräfte sich vernichten. Bei derVoraussetzung, daß die Moleküle sehr nahe bei einander,aber nicht fest gegen einander liegen, hat die Vorstellungkeine Schwierigkeit, daß die Molekularkräfte, welche durcheine gewisse Spannung sich im Gleichgewicht halten, nachaußen hin scheinbar so viel verlieren, als dazu erfordertwird, aber daß die Summe der beiden Kräfte wieder zum Vor-schein kommt, sobald die Verbindung aufgehoben wird.

Durch dieselbe Ursache also, wodurch die Körper chemischverbunden werden, bleiben sie auch vereinigt und wer-den dadurch auch wieder getrennt, wenn stärkere Kräftedarauf wirken. Kupfer z. B. scheidet Silber aus dessen Auf-lösung in Salpetersäure, befreiet also das Silber vom Sauer-stoff und verbindet sich selbst damit. Möge Kupfer 4 (X)Silber 1 (K) und der Sauerstoff des Silberoryds 3 (0) be-sitzen, so muß, da 3 (X) 3 (0) neutralisiren kann, Silbermit 1 (X) abgeschieden werden.

Die Ausscheidung chemischer Körper aus ihren Verbin-dungen durch solche, welche auf den einen Bestandtheil einegrößere Kraft ausüben, ist ein unmittelbarer Beweis, daßdie chemischen Kräfte nur schlummern, und dies wieder einBeweis dafür, daß dieselben Kräfte, welche die Körper ver-einigen, sie auch vereinigt halten.