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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Ueber die chemische» Kräfte.

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b. Chemische Wirkung äußert sich nur in un-meßbaren Entfernungen. Polarität derMoleküle.

Es ist eigenthümlicher Charakter der chemischen Kräfte,daß sie nur in unmeßbaren, nicht in meßbaren Abständenthätig sind. Für die Möglichkeit einer Vereinigung ist esalso unerläßliche Bedingung, daß die Theilchen sich so sehrals möglich einander nähern können; weshalb denn auch Kör-per, welche als dichte Massen sich berühren, meistens keineoder nur eine sehr unvollkommene Wirkung auf einanderausüben, während sie sich in fein zertheiltem Zustande oftschon bei gewöhnlicher Temperatur verbinden. Dies siehtman unter Anderm beim Schwefel und Kupfer, welche inderben Stücken nicht im Mindesten auf einander einwirken,aber fein zertheilt durch Reiben sich vereinigen lassen, wobeizugleich viel Wärme entwickelt wird. Man würde indessenirren, wenn man glaubte, daß die feine Vertheilung hierallein die Ursache der Einigung sei. Das Reiben ist einkräftiges Hülfsmittel. Daß gleichwohl feine Zertheilung einHaupterforderniß für die Vereinigung ist, sieht man an denAuflösungen. Wenn wasserfreies schwefelsaures Natron undChlorbaryum zusammengerieben werden, so erleiden beideStoffe nicht die geringste Veränderung; aber beim Vermischenihrer Auflösungen findet totale Zersetzung Statt.

Außer daß die Temperatur aus besonderen Ursachen dieVereinigung befördert, unterstützt sie dieselbe überall vermit-telst der Auflösung, wo sie einen der Körper oder beide ,schmelzen kann. Erhöhte Temperatur befördert die Oxyda-tion der Metalle im Sauerstoffgas dadurch, daß sie in bei-den entweder Kräfte weckt, oder sie bis zu einem gewissenGrade erhöht; aber geschmolzenes Blei und sich verflüchti-gendes Zink haben durch höhere Temperatur feine leicht be-wegliche Theile erhalten, welche dem Sauerstoff gerade die

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