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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Ueber die chemischen Kräfte.

kung. Z. B. bei der Auflösung des Goldes oder des Pla-tins in Königswasser nimmt die salpetrige Säure an der Ver-bindung keinen Theil; und doch ist die Gegenwart der salpe-trigen Säure oder eines andern kräftigen Agens durchausnothwendig, soll sich das Chlor mit jenen Metallen ver-einigen.

Noch stärker fällt dies an einem schon oben angeführtenBeispiel in die Augen, wo nämlich ein Körper, dessen Ge-genwart für die Vereinigung zweier Stoffe unerläßliche Be-dingung ist, nach ihrer Verbindung wieder ausgeschieden wird,ich meine das Wasser in Berührung mit Kalk und Kohlen-säure (S. 43), ohne dessen Mitwirkung jene nnverbundenbleiben, so wenig es selbst an der neuen Verbindung Theilnimmt.

Mit welchem Namen wir auch die Ursache dieser Er-scheinungen belegen mögen, es bleibt gewiß, daß mancheStoffe andere zur Vereinigung disponiren, so daß ohne siejene nicht erfolgen würde. Was Berz elius Katalyse nennt,ist also eine besondere Art der Fähigkeit, chemische Thätig-keit zu wecken.

Wie können wir uns die katalytische Wirkung vor-stellen?

In den Elementen ruhen gewisse Molekularkräfte, derenwir eine kennen gelernt haben als sehr vermögend, Vereini-gung ungleichartiger Stoffe zu bewirken. Meistens erstrecktsich ihre Thätigkeit auf die Körper, von denen sie ausgeht,selbst zurück. Katalyse ist dieselbe Kraft, nur daß derKörper, von welchem sie ausgeht, von der chemischen Wir-kung ausgeschlossen bleibt.

Wenn wir durch ein Gemenge von Wasserstoff und Sauer-stoff einen elektrischen Funken schlagen lassen, so fangen zuerstzwei Moleküle, Wasserstoff und ein Molekül Sauerstoff, an sich zuverbinden, und von hier aus theilt sich die Wirkung der ganzen

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