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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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366 Bestandtheile des organischen Reichs

Stoffen beobachtete Polpmorphie sich auch aus dem dort An-geführten erklären läßt. Solche Erfahrungen drängen mirdie Ueberzeugung immer stärker auf, daß einer jeden beob-achteten Formverschiedenheit eines animalischen oder vegetabi-lischen Gewebes eine wesentliche chemische Verschiedenheit zumGrunde liegt.

Der innige Zusammenhang zwischen Form und Funktionist durch die ausgezeichneten Untersuchungen, welche in neue-ster Zeit mit Hülfe des Mikroskopes ausgeführt sind, auf dasEvidenteste bewiesen. Man hat beobachtet, daß die Organe,denen gleiche Funktionen zukommen, gleichartige Gewebe ent-halten, gleich wie für die Organe mit verschiedenen Funktio-nen die Formen der Gewebe wechseln. Ist demnach die Funk-tion von der Form abhängig, so ist sie es auch von der dieForm bildenden Materie und den der Materie inwohnendenKräften. Daraus erhellt, in wie naher Beziehung und Wech-selwirkung Materie, Form und Funktion zu einander stehen.

Gelten diese Betrachtungen von der Thätigkeit der thie-rischen und Pflanzenorgane im normalen Zustande, so findensie gewiß auch auf alle krankhaften Zustände sowohl eineseinzelnen Organs wie des ganzen Organismus Anwendung.

Der Zusammenhang der verschiedenen Organe, welche imthierischen Körper die Nerven und Gefäße und im Pstanzcn-wie im Thierreich die Zellenreihen vermitteln, ist solcher Art,daß schwerlich die von Bichat ausgesprochene Idee wohljemals realisirt werden dürfte- daß man nämlich einmal da-hin gelangen werde, den Organismus in kleine Theile zuzerlegen, womit sich die Begriffe von Lebenskraft eben so ein-fach verbinden lassen, wie man von der Schwere, Elasticitätu. s. w. der unorganischen Stoffe redet. Aber wenn auch soeinfache Vorstellungen über den Zusammenhang der Theileeines organisirten Wesens nicht möglich sind, so können wiruns doch einem richtigen Verständniß dieser Beziehungen nä-hern und befinden uns dazu gegenwärtig auf dem Wege, zu