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Thierische Gewebe.
denartigkeit zu Wege bringen, und wir müssen überall, selbstda, wo wir bei Verschiedenheit der Formen — wenn diesmöglich wäre — eine absolut gleiche Zusammensetzung inder organisirten Natur auffänden, geneigt sein, dieselben Ur-sachen anzunehmen, welche uns über den Dimorphismus inder unorganischen Natur Aufklärung verschaffen.
Aus dem Obigen erhellt, daß sich in dem thierischenOrganismus die Zusammensetzung beständig ändert, so langeder Wechsel der Form fortdauert. Da diese Erneuerung derForm bei der schnellen Neproduction in manchen Gewebenwährend des ganzen Lebens nicht aufhört, so ist natürlich auchder Stoffwechsel in dem Thierkörper weit größer als in derPflanze. Tausende von Zellen werden täglich in einem ge-sunden menschlichen Körper gebildet, abgestoßen und ausge-sondert, ;. B. die Epitheliumzellen der Schleimhäute; Tausendevon Primitivfasern wachsen und verschwinden; nirgends istRuhe oder Gleichgewicht; nirgends wird die Form unverän-dert erhalten; nirgends ist die Function eines Moleküls er-lahmt; überall im ganzen Organismus keine Stelle, keinAtom zu denken, wo nicht zur Unterhaltung des Stoffwechsels,der an andern Orten stattfindet, mitgewirkt wird. Der Körperist ein vollkommen harmonisches Ganze, worin Wirkung undRückwirkung in einem so genauen Zusammenhange stehen,daß der menschliche Verstand ihn niemals überall hin genauwird verfolgen können.
Je schwieriger indessen die Erforschung dieser Gegen-stände ist, um so mehr muß sich der Naturforscher anstrengen,und um so belohnender ist das Wenige, was er ergründenkann.
Die Entwickelung der thierischen Gewebe ist uns vielgenauer bekannt als die der Pflanzen, besonders was diechemische Zusammensetzung derselben anbelangt. Aus diesemGrunde kann ich diesen Theil auch wissenschaftlicher behan-deln, als ich die elementaren Pflanzentheile abgehandelt habe.