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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Nahrungsflüssigkeit, Blut.

außer dem Fibrin und den andern Stoffen, auf welche mansich bei diesen Untersuchungen beschränkte!

Blutkörperchen. Das Blut der sogenannten Thierehöherer Ordnungen, namentlich der Wirbelthiere, ist eineFlüssigkeit, worin einige Arten von Körperchen sich unterscheidenlassen.

Die rothen, gewöhnlich sogenannten Blutkörperchen*)sind für das bloße Auge unsichtbar. Sie erscheinen, durchdas Mikroskop betrachtet, von der einen Seite her kreis-rund oder elliptisch, von der audern scheibensörmig, beimMenscken und einigen andern Thieren biconcav, in derMitte nicht gefärbt, sondern den Farbstoff in einem Ringeringsum enthaltend, so lange sie im Blutumlauf sich befinden;nachdem sie aber der Luft ausgesetzt sind, werden sie in derMitte aufgesetzt (opgezet) und zeigen dann einen stark ent-wickelten Kern, verlieren die Schcibenform und werden nachdem Umfang zugespitzt. Durch Wasser werden sie aufgesetztund kugelförmig. Der Durchmesser der Blutkörperchen beträgtin Millimetern:

*) Man hat, nach dem Vorgänge von Dornig gemeint, daß die Milz unter anderndazu diene, die Blutkörperchen hervorzubringen. I. Bvelard (Ami. dc chim.et de phys; T. 21, p. 506) hat jedoch Blut-Analysen gemacht, auch von dem Blutder Milz, woraus das Gegentheil folgen dürfte. Er fand Milzblut viel armer anBlutkörperchen und reicher an Eiweiß, wie das Blut aus anderen Theilen. Nachihm hat das Blut aus folgenden Gesäßen die beistehende Zusammensetzung;

Halsader Arterien Milzader Pfortader

Wasser ...... 778,9 750,6 746,3 702,3

Eiweiß. 79,4 89,5 124,8 70,6

Blutkörperchen u. Fibrin 141,7 159,9 128,9 227,1

Ich bezweifele zunächst diese Resultate; fuhren wir die Blutkörperchen, Fibrinund Eiweiß zusammen auf, so haben wir:

Halsader Schlagader Milzader Pfortader221,1 249,4 253,7 297,7

Bei solchen Verschiedenheiten zwischen dem Blut der Hals- und der Pfortader,zwischen Milz - und Pfortader; bei solcher Uebereinstimmung zwischen dem Blut derMilz und einer Schlagader, blickt es hervor, daß die Versuche schlecht ausgeführtsind. Mehr lernen wir hieraus nicht. Mikroscopische Untersuchungen scheinenjedoch herausgestellt zu haben, daß die Blutkörperchen in der Milz vernichtetwerden. Vergl. Ecker in Aeitschr. f. rat. Med., Bd. 6. Wagners Handw.Art. Blutgefäßdrüsen. Kölliker in Todd's Cyclopaedia of Anat andPhys. Art. Spleen.