16 Ultramarin.
tentheils aus Natron bestehe, eine Verbindung mit Schwefelnatriumeingehe und so das eigentliche weisse Ultramarin bilde, mit dem nochwechselnde Mengen eines Thonerde-Silicats verbunden sein könnten.Dieses weisse Ultramarin wird schon beim Erhitzen an der Luft nochrascher unter gleichzeitiger Einwirkung von Chlor oder schwefligerSäure erst griin dann blau. Lässt man jedoch eines dieser Gase beiLuftabschluss einwirken, so geht folgender Process vor sich: (2NaS-f-2 S0 2 = NaS 2 NaO.S0 3 -j- S) oder (2NaS -f CI = Na S 2 -fNaCl). Der Schwefelgehalt des Ultramarins bleibt in beiden Fäl-len unverändert, denn der ausgeschiedene Schwefel wird nicht in dieVerbindung des Ultramarins aufgenommen. Die so erhaltene Ver-bindung ist schmutzig grünblau, und Ritter vermuthet, dass siegrün wäre, wenn Sauerstoff absolut ausgeschlossen werden könnte.An die Luft gebracht und auf 100° C. erwärmt, wird sie unter Sauer-stoffaufnahme rein blau. Dass dies der Fall ist, weist Ritter nach,indem er diese blaue mit Jieissem Wasser vollständig ausgewascheneVerbindung mit der salzsauren Lösung eines Metalls übergiesst, wel-ches wi# z. B. Arsen und Antimon mit Schwefel eine durch Salzsäurenicht zersetzbare Verbindung eingeht. Es wird sich kein Schwefel-wasserstoff sondern nur schweflige Säure entwickeln. Auf alle dieseThatsachen sich stützend, nimmt Ritter an, dass das blaue Ultra-marin aus einem Natron-Thonerde-Silicat verbunden mit Mehrfach-Schwefelnatrium und wahrscheinlich unterschwefligsaurem vielleichtauch schwefligsaurem Natron bestehe.
R. Hoffmann 1 ) endlich weist unterschwellige Säure im Ultra-marin nach, indem er dasselbe mit überschüssiger Lösung von essig-saurem Blei und mit Essigsäure digerirt und den ausgewaschenen Rück-stand mit kalter Kalilauge behandelt. Blei und einen Theil der Kiesel-säure scheidet er aus der Lösung mit Schwefelsäure ab. Hoffmannfand nämlich durch Versuche, dass 1) unterschwefligsaures Blei in Was-ser unlöslich und durch verdünnte Essigsäure unzersetzbar, aber leichtlöslich in Kalilauge ist; und 2) Mehrfach-Schwefelnatrium mit einer freieEssigsäure haltenden Lösung von essigsaurem Blei einen Niederschlaggiebt, den bei gleicher Behandlung kein unterschwefligsaures Salz lie-fert; und dass 3) nach Zusatz von wenig unterschwefligsaurem Natronbei derselben Behandlungsweise die unterschwellige Säure sich mitSicherheit nachweisen lässt.
Ultramarin kann ziemlich heftig erhitzt werden, ohne sich we-sentlich zu verändern. Fortgesetzte Rothgluth unter Luftzutritt färbtes grün dann weiss. In der Weissgluth schmilzt es zu einem farb-losen Glase. Chlor und schweflige Säure zerstören es langsam inder Glühhitze. Das Ultramarin ist unlöslich in Wasser und Alkohol,Aether oderOelen, und in verdünnten alkalischen Lösungen oder Säuren.Die wässerigen Säuren auch Essigsäure oder Salzlösungen von saurer Re-action wie z. B. Alaun, zersetzen es langsam schon in der Kälte schnellerbeim Erwärmen, wobei sich Schwefelwasserstoff entwickelt und Schwe-fel mit Kieselsäure im Rückstände bleibt; wird dagegen nach Ritterder Säure ein Metallsalz zugesetzt, welches durch Schwefelwasserstoffaus sauren Lösungen gefällt wird, so entwickelt sich kein Schwefel-
i) Zeitschr. d. Chem. u. Pharm. 1861, 485; oder Jahresber. v. I.iebig u. Kopp1861, S. 961.