104 Valerol.
V aler ol. Der Sauerstoff haltende neutrale Bestandteil desYalerianöls. Formel: C^HioOj. Von Gerhardt 1 ) zuerst dargestelltund untersucht. Das Valerol findet sich im Valerianöl und nachPersonne 2 ) auch im flüchtigen Oel des Lupulins. Nach Fierlot 3 )ist das Valerol keine bestimmte Verbindung, sondern ein Gemenge vonValerianölstearopten (s. unter Valerianöl S. 84) mit Harz und etwasWasser, etwa 26 Stearopten, 67 Harz und 7 Wasser enthaltend. Zur Dar-stellung von Valerol wird Valerianöl rasch in einem Strom von Koh-lensäure destillirt, wobei zuerst Borneen (Analeren) Borneol und \ r a-leriansäure später erst Valerol übergeht; dieses wird in einer Atmo-sphäre von Kohlensäure einige Zeit auf 200°C. erhitzt, worauf mandie Masse in Eis abkühlt, wo das Valerol krystallisirt; das Productwird in wässerigem kohlensauren Natron abgewaschen, einige Malein Kohlensäure rectificirt und durch Erkältung krystallisirt. NachPierlot soll es über Kalihydrat destillirt werden, um es ganz freivon Valeriansäure zu erhalten. Das Valerol kann auch durch Recti-fication des ätherischen Oels von Lupulin, sowie aus der mit Wassererschöpften harzartigen Masse des Lupulins erhalten werden.
Das reine Valerol krystallisirt bei 0° in farblosen durchsichtigenSäulen, die erst gegen 20°C. schmelzen, es bleibt dann bei gewöhn-licher Temperatur noch flüssig und erstarrt erst beim Erkalten auf 0°;flüssig schwimmt es auf Wasser; es hat einen schwachen heuartigenGeruch, löst sich wenig in Wasser, leicht in Weingeist, Aether oderflüchtigen Oelen. Nach Pierlot hat es keinen constanten Siedpunkt,weil es ein Gemenge ist, sondern destillirt von 210° bis 430°C. über,ohne dass der Siedpunkt irgendwo beständig ist.
Das Valerol ist neutral, an der Luft nimmt es bald Sauerstoffauf; es verharzt dabei und bildet unter Entwickelung von Kohlen-säure Valeriansäure, deren Bildung sich auch bald durch den Geruchbemerkbar macht (Gerhardt u. Cahours). Nach Pierlot verharztes sich an der Luft, wird aber nicht sauer; auch oxydirende Substan-zen wie Salpetersäure, Chromsäure, Braunstein und Schwefelsäure be-wirken nicht die Bildung von Säuren irgend einer Art, namentlichnicht von Valeriansäure. Salpetersäure verwandelt es in ein gel-bes Harz. Brom verwandelt es in eine braune pechartige Masse. Eslöst sich in Schwefelsäurehydrat mit blutrother Farbe, Wasserscheidet einen Theil des Oels ab, während die Lösung eine gepaarteSäure Sulfovalerolsäure enthält, deren Bleisalz {sulfovalerolate deylonib) gummiartig und in Wasser löslich ist.
Das Valerol absorbirt reichlich Ammoniakgas, es scheint sich aberkeine krystallinische Verbindung zu bilden. Durch Kochen mit Kalilaugewird Valerol nicht merkbar zersetzt; durch schmelzendes Kalihydratwird es nach Gerhardt u. Cahours schnell zersetzt, indem sich un-ter Entwickelung von Wasserstoff kohlens.iures und valeriansaures Salzbildet:
C 12 HioOj + 3 (KO. H O) + 2 HO = KOCjoHjO, ■-f 2 KO. C 2 0 4 -f 6 H
Valerol Valerians. Kali
L Annal. de chim. et de phys. [3.] T. VII, p. 275. — 2 ) Compt. rend. T. XXXVII,
p. 309; Journ. de pharm. [3.] T. XXVII, p. 23; Pharm. Centralbl. 1854, S. 228. —
3 ) Annal. de chim. et de phys. [ 3 .] T. 56, p. 294.