Band 
Neunter Band.
Seite
146
JPEG-Download
 

146 Ventilation.

hatte etwa 75 Cubikmeter Luftraum. Bei einer Temperaturdifferen 2von 20° C. betrug der Luftwechsel in 1 Stunde 95 Cubikmeter; ® inanderes Mal bei 19° C. Differenz 75, ein drittes Mal bei nur 4° C. Diff®'renz 22 Cubikmeter. Je geringer die Temperaturdifferenz desto gerin*ger der Luftwechsel.

Eine Vergrösserung der Temperaturdifferenz ist wirksamer a’ 1 ^die Ventilation als das Oeffnen eines Fensters. Als Pettenkoferdem Tage, wo die Temperatnrdifferenz nur 4° C. und die freiwillig®Ventilation 22 Cubikflieter betrug, zuletzt einen Fensterflügel öffnet®(etwa 8 Quadratfuss Fläche) stieg die Ventilation per Stunde » u42 Cubikmeter.

Um zu sehen, in wie weit der Luftwechsel durch die Spalten ahThüren und Fenstern, und wie weit auf anderen Wegen (z. B. durchdie Poren der Wände) erfolgt, wurde der Versuch bei 19° C. Temp®"raturdifferenz wiederholt, nachdem alle Spalten an Fenstern und Thä"rcn mit dickem Papier und Kleister verklebt worden waren. Das erst®Mal betrug der stündliche Luftwechsel im Zimmer 75, das zweite54 Cubikmeter, das Verkleben bewirkte somit eine Abnahme des Luft"Wechsels um 21 Cubikmeter pro Stunde. Aber der Luftwechsel w® 1immer noch grösser, als bei dem Versuch, wo die Temperaturdiffereö*nur 4° C. betrug, und wo selbst bei einem geöffneten Fensterflügel di eVentilation sich nur bis zu 42 Cubikmeter erhob J ). Man sieht, dassdas Oeffnen eines Fensters einen sehr verschiedenen Werth für di®Ventilation je nach der Temperaturdifferenz haben muss. Nichts destoweniger sehen wir in unseren Thüren und Fenstern die besten Mittelden natürlichen Luftwechsel zu unterstützen und zu reguliren.

Pettenkofer hat auch eine directe Beobachtung angestellt, uü 1eine Vorstellung über den Einfluss des Feuers in einem Ofen zu g®'winnen, der vom Zimmer aus geheizt wird. Die Ventilation des Ziu 1 'mers betrug bei vorausgehendenVersuchen, während welcher die Coi t>”munication der Zimmerluft mit dem Kamin möglichst abgesperrt waH54 Cubikmeter pro Stunde. Als im Ofen ein lebhaftes Feuer ang®'macht wurde, erhob sich der natürliche Luftwechsel unter sonst glei'chen Umständen auf 94 Cubikmeter per Stunde, was eine Zunahm®von 40 Cubikmeter ergiebt. Man kann hieraus den Werth des Zug® sin einem Ofen für die Ventilation bemessen, der durchschnittlich vie 1zu hoch angeschlagen wird. Für eine oder zwei Personen kann der-selbe noch einen 4\ erth haben, aber für Locale, in denen eine grösser®Anzahl Menschen sich aulhalten soll, sinkt der Werth zur Bedeutung®'losigkeit herab. Selbst der grösste Zimmerofen führt in einer Stund®)während er lebhaftes Feuer hat, nicht über 90 Cubikmeter aus den 1Zimmer nach dem Kamin.

Neben lemperaturdifferenz und Grösse der Oeffnungen in denWohnräumen hat auch noch die Geschwindigkeit der Luft im Freie 11einen Einfluss auf die Ventilation unserer Wohnungen. Es ist eine alt®Erfahrung, dass man viel mehr heizen muss, wenn es kalt und windig’als wenn es kalt und windstill ist, und dass bei Sturm der Zug d® rEssen viel lebhafter ist, als bei ruhiger Luft. Beobachtungen über di e

J ) Wenn die armen Leute im Winter bei geschlossenen Fenstern frieren, e °leiden sie nicht bloss von Kälte, sondern auch von sehr schlechter Luft.