Verwandlung, chemische. 225
Änderungen in einer oder der anderen der letzteren Beziehungen gehent^ohl immer bei sogenannten chemischen Verwandlungen ohne Aende-tüng der Zusammensetzung vor sich: Abänderung in der Anzahl derZU einem zusammengesetzten Atom vereinigten elementaren Atome (beider Umwandlung von gasförmigem Chlorcyan C 2 NGl zu festem Chlor-Cyan C 6 N 3 €l 3 z. B.) oder in der Anordnung der elementaren Atomezu nähern Bestandtheilen (bei der Umwandlung des basisch-schweflig-s auren Quecksilberoxyds iiHgO . S0 2 zu schwefelsaurem Quecksilber-°Xydul Hg 2 0 . S0 3 oder des cyansauren Ammoniumoxyds NH 4 0 . C 2 N Ozu Harnstoff C 2 (NH 2 ) 2 0 2 z. B.). Man bezeichnet Verwandlungen derletzteren Art gewöhnlich als me tarn er e Umlagerungen, Verwand-lungen der ersteren und der letzteren Art oft als moleculare Um-lag er ungen.
Weit gewöhnlicher sind chemische Verwandlungen, bei welchen inder Beziehung, ob und wie, nach Art und Mengenverhältniss, elementareAtome zu einer Verbindung vereinigt sind, Abänderung eintritt. Indieser Hinsicht unterscheidet man namentlich V erwandlungen durchBildung von Verbindungen und Verwandlungen durch Zer-setzung. — Bei der Verwandlung durch Bildung einer Verbindungtritt eine Substanz mit einer andern unter Entstehung eines neuengleichartigen Ganzen zusammen (H mit Gl oder O zu HGl oder zu HO;C 4 H 4 mit Gl 2 zu C 4 H 4 Gl 2 u. s. w.). — Bei einer Zersetzung geht, wasbisher zu einer Verbindung vereinigt war, aus einander, so dass es nunln Form mehrerer ungleichartiger Körper vorhanden ist. Man unter-scheidet wohl hierbei das, was in der zersetzten Verbindung enthaltenWar und nach der Zersetzung ohne in neue Verbindung eingegangen zuSein sich vorfindet, als Educt von einem Product d. i. einer durchVereinigung von Etwas, was in einer der Zersetzung unterlegenenVerbindung enthalten war, mit etwas Anderem neu entstandenen Ver-bindung; man lässt übrigens auch oft den Ausdruck „Zersetzungs-Producte“ auf Alles was bei einer Zersetzung resultirt — einerlei obe igentlich Zersetzungsproducte oder Eduete — gehen. Hält man diee ben gemachte Unterscheidung fest, so definiren sich sogenannteSpaltungen oder das Zerfallen von Verbindungen als Zer-setzungen, bei welchen nur Eduete auftreten; solche werden gewöhnlichbervorgebracht durch Einwirkung von Imponderabilien (der Elektricitäta uf HO, wo dieses zu H und O sich spaltet; der Wärme auf HgO, wodieses zu Hg und 0 zerfällt; des Lichtes auf Au0 3 , wo dieses sich zuAu und 3 O zersetzt u. s. w.), oder bei Einwirkung wägbarer Körperdurch die mechanische Action derselben (des Schlages oder der Frictionz. B. auf sogenannten Jodstickstoff', Knallsilber u. a.) ; seltener durchEinwirkung wägbarer Körper in der Art, dass die letzteren dabei keinechemische Veränderung erleiden und doch ihre chemische Natur, undhicht etwa bloss ihre physikalischen Eigenschaften, als wesentlich denVorgang bedingend erscheint (hierher gehören sogenannte Zersetzungendurch Flächenwirkung, wie die Trennung gelöster Substanzen von deinLösungsmittel durch poröse Kohle; hierher die sogenannten Zersetzun-gen durch Katalyse oder Contactsubstanzen, wie die des Wasserstoff-peroxyds durch gewisse Metalle und Metalloxyde oder die des chlor-sauren Kalis bei relativ niederer Temperatur durch Kupferoxyd oderblangansuperoxyd). In bei weitem den meisten Fällen findet bei Zer-setz ungen unter Mitwirkung wägbarer Körper, wo die chemische Natur'
Handwörterbuch der Chemie. Bd. IX. 15