Band 
Neunter Band.
Seite
226
JPEG-Download
 

226 Verwandlung, chemische.

der letzteren mit in Betracht kommt, Neubildung von Verbindunge 11statt; die Atome oder Atomgruppen, zu welchen die der Zersetzungunterliegende Verbindung sich theilt, treten zum Theil (so z. B. bc 1der Zersetzung von HgS durch Fe zu FeS und Hg) oder durchweg(so bei der Zersetzung von HS durch das Verbrennen mit 3 0 zu HCund S 0 2 ) in Verbindung mit dem die Zersetzung bewirkenden Körpe 1 'oder einem Theil desselben (letzteres namentlich bei den sogenanntenZersetzungen nach doppelter Wahlverwandtschaft). Als Substitution»'product bezeichnet man im weitern Sinne des Worts jedes Zersetzung»'product, für welches sich annehmen lässt, dass in ihm ein Theil derursprünglichen Verbindung durch eine äquivaleute Menge eines anderenKörpers ersetzt sei [in diesem Sinne wird z. B. nicht nur das durch Zer-setzung des Benzols C 12 H c zu erhaltende Nitrobenzol als C 12 H 5 (NO*)betrachtet, sondern auch das durch Zersetzung des letzteren darstell'bare Anilin als C 2 5 (NH 2 ) beti’achtet, und ein Substitutionsproduct desBenzols genannt]; im engeren Sinne des Wortes ein Zersetzungs-product einer Verbindung, welches mit der letzteren noch solcheUebereinstimraung in den chemischen Eigenschaften zeigt, dass dieAnnahme eine besondere Wahrscheinlichkeit für sich hat, in jenem Zer-setzungsproduct und in der Verbindung, von welcher sich dasselbeableitet, sei die Structur der Atome d. i. die Art der Zusammen-fügung derselben aus näheren Bestandtheilen eine gleiche, und nur da»Material, aus welchem so übereinstimmende Constructionen ausgeführtseien, sei in der einen und in der andern Verbindung ein theil weiseverschiedenes.

Uebrigens herrscht in Vielem, was chemische Verwandlungen be -trifft, Meinungsverschiedenheit der Chemiker darüber, wie ein solcherVorgang aufzufassen und zu welcher Kategorie von Verwandlungeneine gewisse chemische Veränderung einer Substanz zu rechnen sei-Wie verschieden die Meinungen darüber sind, welche Körper sich al*Substitutionsproducte auf einander beziehen lassen, geht aus dem ArtikelSubstitution (Bd. VII, S. 404) hervor. Ueberall, wo es auf diePräcisirung der Verwandlungen ankommt, welche oben als metamere Uw 1 'lagerungen besprochen wurden, tritt die Unsicherheit der Erkenntnis»*welches die näheren Bestandteile complicirterer Verbindungen seien,und die verschiedene Anschauungsweise und Schreibart der FormelnSeitens verschiedener Chemiker hervor; wo aus einer Verbindung etwa»austritt (Kohlensäure z. B. aus dem kohlensauren Kalk beim Glühen),kann es zweifelhaft sein, ob das Austretende in dieser Form näheretBestandtheil der zersetzten Verbindung war; und selbst bezüglich detsonst als die einfachsten Fälle betrachteten chemischen Verwandlungen,der Verbindungen von Elementen und der Zersetzung von Verbindun-gen in ihre Elemente, sind Zweifel erhoben worden, ob nicht der Vor'gang verwickelter sei, ob man nicht z. B. ein Atom Chlor im freie 11Zustande richtiger als €l 2 und ebenso ein Atom Wasserstoff im freie 11Zustand als Ho und die Verwandlung des Chlors in Chlorwasserstoffnicht lediglich als auf einer Verbindung von Chlor mit Wasserstoff,sondern auch als auf einer Zersetzung der Chlor- und der Wasserstoff'atome, wie sie in diesen Körpern für den freien Zustand derselben ent'halten seien, beruhend zu betrachten habe. JCp.