Zuckerfabrikation. 1173
an ’) und dampft den aufgefangenen Saft unter Zusatz von etwas Kalkzur Syrupconsistenz ein; beim Erkalten erstarrt der Palmenzucker zufesten krystallinischen Massen. Eine Cocospalme liefert das Jahr überpOO Pfü. Saft von 20 Proc. Zuckergehalt. Der Palmenzucker wirdIri Indien ähnlich wie in Europa der bessere Colonialzucker gebrauchtUnd direct consumirt; die Melasse besitzt einen eigenthümlichen Ge-ruch und Geschmack und wird ebenfalls als Nahrungsmittel benutzt.Man schätzt die jährliche Production an Palmenzucker auf 220 Millio-Uen Pfund. C. 8.
Nachtrag zur Rübenzuekerfabrikation.
(s. S. 1132.)
Die „Filterpresse“ wurde gleichzeitig mit den neuen mehrKalkz usatz als bisher erfordernden Scheidungsmethoden in die Zucker-'ndustrie eingeführt und anfangs nur als ein nothwendiges Vehikel die-ser Methoden benutzt. Bei der Jelinek’schen Scheidung z. B., dieWegen ihrer saftreinigenden und die Weiterverarbeitung des Saftes be-deutend erleichternden Wirkung in neuester Zeit vielfach angewandtw ird, resultirt fast dreimal so viel Scheideschlamm als früher, dessen■Aufarbeitung nach der alten ebenso umständlichen als kostspieligen■Auspressmethode mittelst Spindel- oder hydraulischer Pressen nichthätte geschehen können, ohne die aus der besseren Scheidung erwach-enden pecuniiiren Vortheile vollständig zu compensiren. Erst diek ilterpresse machte genanntes Scheideverfahren für die grosse Praxisffnanciell möglich, indem sie den Schlamm weit schneller, einfacher undbilliger, mit ungleich geringerem Aufwande von Handarbeit und Press-Michern und verhältnissmässig weit grösserem Presseffecte d. h. grösse-rer Saftausbeute aufzuarbeiten gestattet. Kam bei den zahlreichenManipulationen der alten Schlammauspressung: Einfüllen desSchlammes in die Beutel, Einlegen in die Presse, Umlegen der Ku-chen u. s. w. der Arbeiter in fortwährende Berührung mit dem ätzen-den Schlamme, der ihm Hände und Kleidungsstücke zerfrass, und wurdedadurch die Schlammstation zu einer „Strafstation“, zu der man nurmittelst Lohnerhöhung und selbst dann noch schwierig Arbeiter bekom-men konnte: so bleibt bei der neuen Schlammfiltration der Arbeiterganz von manueller Berührung mit dem Schlamme verschont, dadieser in geschlossenen Leitungen rinnt und in geschlossenen Bäumen■msgeprcsst wird, und es ist notorisch, dass jetzt die Schlammarbeitl hres bequemen und sauberen Verlaufes wegen von den Arbeitern an-deren Beschäftigungen vorgezogen wird. Diesen günstigen Eigenschaf-ten verdankt die Filterpresse ihren Vorzug vor allen übrigen neuer-dings in so grosser Menge in Vorschlag gebrachten zum Theil sehrkünstlich construirten hydraulischen Schlammpressen und Schlamm-'mntrifugen und ihre jetzt fast allgemein gewordene Anwendung nichtMobs bei der Jelinek’schen sondern auch bei jeder anderen Art derA'Jkscheidung, sowie ihre hie und da mit Erfolg versuchte Benutzungz nm Auspressen der „Schaumschwärze“ der Raffinerien; überhaupt wirdsich gewiss zukünftig in allen den Fällen mit Vortheil statt derPresse verwenden lassen, wo Flüssigkeiten von festen, vorzüglich pul-verigen Körpern zu trennen sind.
T *) Soubeiran, Compt. rend. T. XXXI, p. 14; Wagner, Jahreßber. f. chcm.ee hnologie 1857, S. 278.