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Die antiken Gold- und Silber-Monumente des K.K. Münz- und Antiken-Cabinettes in Wien / beschrieben von Joseph Arneth
Entstehung
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Vielleicht bedarf es der Rechtfertigung, dass der Votiv-Schild des Agrippa hier viermalilabgehildet erscheint; desshalh erlaube ich mir die Veranlassung dazu umständlich anzugeben.

Zuerst wurde das interessante Werk von Herrn Fendi, allen als genialer Zeichner undErfinder so vieler, mitunter höchst gelungener, Bilder bekannt, im verkleinerten Massstabegezeichnet und gestochen. So sehr ich von jeher das Talent, den Heist dieses ausgezeichnetenKünstlers, mit dem ich in vielfacher Freundschaft- und Dienstes-Berührung stand, achtete, soschien mir doch die von selbem ausgeführte Abbildung des Monumentes nicht strenge genug, son-dern enthielt mir zu viel von jener minder ernsten aber gefälligeren Weise, nach welcher derKünstler später strebte, als er durch mannigfache Veranlassung vom historisch Getreuen sich mehrzum Zierlichen wandte. Weil aber diese Arbeit Fendis vielfaches Verdienst und viel Ansprechen-des hat, so wollte ich sie nicht bloss als Kupferplatte im Cabmette liegen lassen, sondern derenAbdrücke mittheilen; da ich jedoch nicht ganz befriedigt mit Herrn Fendis Stich war, so liess ichdurch dessen Nachfolger, Herrn Schindler, das nämliche Monument in der Grösse des Originalszeichnen und stechen. Dieses Kunslproduct entspricht gewiss allen Forderungen, die man billi-gerweise stellen kann, und dürfte Jedermann hinlänglich befriedigen. Jedoch haben die vorzüg-lichen Werke des Alterthums so viele anziehende Seiten, dass es auch dem umsichtigsten, fleis-sigsten, treuesten Nachbildner nicht immer möglich ist, allem zu entsprechen.

Als die Umrisse des in Spanien gefundenen Votiv-Schildes des Theodosius mit einer vor-trefflichen Erklärung von Herrn Delgado an die kaiserliche Akademie der Wissenschaften ge-schickt und mir zur Bericht-Erstattung zugetlieilt wurden, konnte mir die Aehnlichkeit zwischendem in Aquileia und dem bei Badajoz gefundenen Kunstwerke nicht entgehen, ein Umstand, dermich bestimmte, auch den in Aquileia gefundenen Schild bloss in Umrissen an die Seite der frühererwähnten zu geben; damit aber der geneigte Betrachter der hier mitgetheilten Monumentedurch die Aehnlichkeit der Abbildung um so leichter zur Annahme derS. 74. 75. ausgesprochenenAnsichten bewogen werden möchte, glaubte iclis nicht unnöthig, auch diese dritte Abzeichnungmitzugeben.

Weil jedoch das Monument so etwas eigenthümiich Ansprechendes hat, ich möchte sagen,wie der Charakter des grossen Mannes, dem ichs zuschreiben zu sollen glaube, so gestehe ichwohl offen, dass auch die vorhandenen drei Abbildungen mich noch immer nicht ganz befriedig-ten, und ichdesshalb durch Vorlegung der vierten in Farben dem ausgezeichneten Originale nähergekommen zu seyn eifrig wünsche; denn bloss die möglichst treue Wiedergabe des Originalsdient der Wissenschaft wie der Kunst.

Mit dem Kranze des Kreithonios hat es eine ähnliche Bewandtniss.

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