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Da die Hand aus den Wolken als symbolische Bezeichnung der Allmacht Gottesschon im alten Testamente hei Isaias 1 ), Jeremias 2 ), Ezechiel 3 ) geschildert wird, so ist esbegreiflich, dass sich die künstlerische Auffassung dieser Idee mit der Verbreitung desChristenthums und mit der Herrschaft desselben auch überall hin verbreitete; desshalb zeigtsie schon ein Codex der Genesis aus dem fünften oder sechsten Jahrhunderte in der k. k.Hof - Bibliothek.
Die Hand Gottes aus den Wolken ist noch auf vielen Kunstwerken angebracht, soauf mehreren Glasfenstern; auf einer Miniatur aus dem neunten Jahrhunderte in der franzö-sischen Bibliothek zu Paris, im Liber precum, wo die Steinigung des heiligen Stephan vor-gestellt ist, der den Himmel offen, und die Hand Gottes, mit dem Nimbus umgeben, her-vorragend sieht 4 )*
Ähnlich eine Mosaik aus gleicher Zeit, zu Rom in der Kirche Sta. Maria Nova 5 ).
Sie ist auch über Karl dem Kahlen sichtbar auf den Dedicationsbildern der herrli-chen Codices der heiligen Schrift; von denen einen die Canonici zu Tours Karl dem Kahlenim Jahre 850 überreichten. Dieser Codex wurde 1675 dem Minister Colbert verehrt 6 ). Denzweiten Codex des nämlichen Kaisers mit ähnlicher Vorstellung vom Jahre 870, der jetztin der Bibliothek zu München sich befindet, hat Sanftl 7 ) vortrefflich beschrieben.
Gleichfalls ist zu Cividale ein Codex, worauf Kaiser Otto von Christus gesegnet wird 8 ).
Dass die aus den Wolken ragende Hand GottVater vorstelle, zeigt eine Sculptur aufKupfer bei der Taufe des Philosophen Graton 9 ) durch Johannes den Täufer, weil bei der-selben DEXTRA DEI steht, so auch das Diptychon auf dem Einbande des Psalteriums 10 )zu Cividale, auf welchem Christus am Kreuze, über ihm der heilige Geist als Taube, undzu oberst die Hand aus den Wolken; so ist auch gleiche Vorstellung zu Cividale auf demmarmornen Altartische aus dem achten Jahrhunderte in der Kirche des heiligen Martinus.Ähnliches zeigt ein Sarg, auf dessen beiden Seiten Christus 11 ) den Aposteln erscheint, undauf den flachen Seiten die Hand aus den Wolken; ein anderer Sarg in der Kirche zu Aqui-leia, auf welchem der heilige Hermagoras, die vier heiligen Jungfrauen der Kirche zuAquileia 12 ): Euphemia, Thekla, Erasma und Dorothea segnet; so ist die Hand auf dem el-fenbeinernen Triptychon in der Bibliothek in Brescia 13 ); auf dem Antipendium zu Kloster-neuburg über Melcliisedech 14 * ); so sieht man auf Särgen Moses die Gesetztafeln von derHand Gottes empfangend lä ); oder dieselbe hält Abraham auf, seinen Sohn zu opfern 16 ).
') LXVI. 2.
’) XVIII. 6.
3 ) II. 9.
4 ) Didron. Iconographie chretienne. p. 214. Annales Archeol. 1844. p. 16.
5 ) The Journal of the Brit. Arch. Association. 128.
6 ) Murr. (Chr. G. v.) Beschreibung der kaiserlichen Krönungszierden, Nürnberg 1801. III. 17. Waagen. Kunstwerke zu Paris. S. 252.
: ) Dissertatio in aureum ac pervetust. SS. EE. Codicein Monast. St. Einmerami. (Schmeller) K. H. u. Staats-Bibliothek. S. 22. Nr. 33.
8 ) Gori. Diptych. III. 15.
9 ) Didron. Annales Arch. V. 30.
,0 ) Symbolae literariae. Florent. 1792. IX. 223.
") Ferrario. Basilica di St. Ambrogio. t. 15.
,' 2 ) Bertoli. 363.
,3 ) Giornale Euganeo. Padova. 1847. p. 189. (1.)
l4 ) Arneth. Antipendium. 1844. S. 40.
,5 ) Arringhi. Roma subterranea. L. II. C. X. T. I. p. 291. 305. 309. 316.
,(i ) Buonarroti Mus. Carp. Ciampini. Explicatio duorum Sarcophagorum.