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Wie sehr oft christliche Kunst ihre Gebilde der heidnischen entlehnt, beweiset dasschöne Gemälde in einem griechischen Manuscript-Codex zu Paris, auf welchem die vonder göttlichen Hand ausgehenden Strahlen das Haupt des Isaias berühren, der zwischenNacht und Morgenröthe stehend, Blick und Hände gegen Oben erhebt *)•
Obschon sich die Reihe der Monumente, an deren Spitze der Medaillon des Constan-tius steht, noch in’s Unendliche vergrössern liesse, so glaube ich diese Vergleichung dochbeendigen zu können, und bemerke nur noch, dass in den erhaltenen Kirchen-Bauten desMittelalters die Hand Gottes aus den Wolken häufig auf dem als Schlussstein des denHimmel darstellenden Kirchengewölbes mehr oder minder meisterhaft ausgeführt, so sinn-reich abgebildet ist, und den wahren Schlussstein des Himmels und der Erde bedeutet.
Die segnende Hand aus den Wolken reichend, als Symbol Gott des Vaters, derschriftgemäss (2. Mos. 33, 20; Joh. 1, 18; 6, 46. — 1. Timoth. 6, 16.) nicht dargestelltwurde, besonders erst nach der constantinischen Zeit, denn vor Constantin erscheint GottVater in menschlicher Gestalt, als alter Mann (Weltschöpler, antiquus Hierum Dan. 7, 9,13, 22.) auf einigen Sarkophagen * 2 ). Erst seit dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts bil-dete sich für Gott Vater der eigene Typus, — als Greis, — aus.
In Schlusssteinen von Gewölben erscheint die segnende Hand:
In dem aus dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts stammenden Chore des Domeszu Wiener-Neustadt.
Im Chore der aus dem Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts herrührenden Kirchezu Ybbsitz (V. O. W. W.).
Im Chore der Kirche zu Maria-Laach am Jauerling (V. 0. M. B,), die aus demfünfzehnten Jahrhunderte ist.
Höchst merkwürdig ist die Darstellung Gott des Vaters in einer erst vor drei Jahrenweggeschlagenen Wandmalerei des zwölften Jahrhunderts am Dome zu Hildesheim, nämlichals das mystische Auge Gottes, d. h. als ein Dreieck, in dem sich sieben Augen befinden 3 ).
6. FL IVL CONSTANT1VS PERP AVG Das Brustbild des Constantius mit einemmit Perlen geschmückten Diademe. — Die Einfassung ist wenig verziert.
(Rev.J GLORIA ROMANORVM Die sitzende Personificalion von Constantinopel^ihre Füsse auf den Vordertlieil eines Schiffes gestützt, hält mit der rechten Hand dieWeltkugel, worauf eine Siegesgöttin mit Lorbeer und Palmzweig steht; unten MANTIOCH(Moneta Antiocliiae). 12 Ducaten im Gewichte. XV.
Die Gestalt auf der Rückseite des Medaillons ist wahrscheinlich die Stadt Constanli-nopel personificirt dargestellt, und ist sehr ähnlich der Rückseite auf den Münzen TJheodo-sius des Jüngeren, auf welchen Constantinopel sitzend abgebildet ist. Dieser Medaillongleicht ganz jenem zu Gotha 4 )? nur sind die zu Gotha mit keinem Öhr zum Tragen versehen.
Öhr gleichzeitig.
') Montfaucon. Paleographie grecque. p. 13. Millin. Galerie Mythol. 353.
a ) Kugler, Geschichte der Malerei 1. p. 28.
3 ) Freundliche Mittheilung des Herrn Eduard Freiherrn von Sacken.
4 ) Liebe. 1. c. 362.
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