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einem gepolsterten Stuhle sitzt. Über ihrem Haupte streckt ein Feigenbaum? Ohlbaum? einenAst aus. Über dem Römer ist Jupiters Brustbild, in der rechten Hand die hasta pura, inder Linken den Blitz haltend. Dann sitzt, die Fiisse auf Felsen gestützt, Kora (Proserpina)mit dreifachen Kornähren um das Haupt, in der rechten Hand drei Kornähren haltend; ansie gelehnt eine bekleidete Begleiterin? (Die Höre des Frühlings? oder des Herbstes? oderHekate?). Die Binde fällt aus den Haaren auf die Brust. Unter diesen stehen drei Kin-der des Römers? Die zwei Brüder, von denen der eine im Profil, der andere en face,halten die Tassen mit den Kuchen. Die Schwester hält einen mit Früchten gefüllten Cala-thus auf dem Kopfe; hinter ihr steht auf der Erde ein Korb mit Früchten, aus welchenein Tannenzapfen hervorragt. Auf dem Altäre, auf welchem Früchte und Tannenzapfen,ist Pluto im Viergespann abgebildet, die Proserpina raubend. Unten sitzt die Erde, Julia?neben ihr eine liegende Kuh; die geflügelten Schlangen werden von Hekate? mit einerGras?-Krone (keiner von Kornähren) in den Haaren, und einer Priesterin gepflegt undliebkoset. Die Priesterin kniet, Hekate steht bei einem Baume, den Kopf einer Schlangestreichelnd.
Das vortrefflichste, hervorragendste Relief ist in der Mitte der Römer (die Haare,wie die des Hercules behandelt.) Mit Ernst und Hoheit hat der Künstler alle Gestalten um-geben, besonders die Ceres, die gegenübersitzende Proserpina und Höre, die kniende Prie-sterin, Jupiter. Die Gewänder, die Fackel, der Blitz, der Calathus, die Blumenbinde, derRaub der Proserpina auf dem Altäre, die vier Flügel der Schlangen, die Räder sind ver-goldet. 2 Mark, 7 la i 6 Loth Silber. IVj" im Durchmesser. S. V. Sv a .
Eine der schönsten und merkwürdigsten Arbeiten, die nicht genug zu bewundern;vielleicht das vortrefflichste Product von getriebener Arbeit in Silber, das existirt; sehrdünn getrieben und auf eine stärkere Unterlage aufgelöthet; von der Unterlage ist kaum% vorhanden.
In Aquileia in einem Klostergebäude gefunden, und dem Kaiser Franz vom Grafen Ignaz Franz de Cassis überreicht. VonSr. Majestät dem Cabinette gegeben 1625.
Es kann meines Erachtens keinen Augenblick in Zweifel gezogen werden, dassmanche dieser Gestalten Portraite darstellen; daher die Frage entsteht, welche derselbensind Portraite? — Nach meinem Dafürhalten die mittlere opfernde Person mit den Kindernund die untere liegende. Die Arbeit gehört, denke ich, in die Zeit des Augustus. Ich glaube,der opfernde Römer dürfte nur unter den Grössten des Reiches zu suchen seyn, und wardesshalb anfänglich der Meinung, das Monument stelle den Gennanicus vor, der als neuerTriptolemus der Welt die Gaben der Ceres mittheilt. Mit Vergnügen sah ich diese Meinungvon einem der berühmtesten Archäologen, K. 0. Müller, angenommen *)•
Ist es Germanicus, so wäre dies Kunstwerk eine sinnreiche Anspielung auf die Rei-sen dieses interessanten Helden der römischen Geschichte, welchen Tacitus * 2 ) so vortreff-lich schildert.
') Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau 1835. S. 222, und Annali dell’Istituto di corrispondenza archeologiea. Vol. XI. p. 78.79. (3).
2 ) Ann. II. 53. Eum honorem (consulatus) Germanicus iniit apud urbem Achaiae Nicopolim, quo venerat per Illyricam oram, viso fratreDruso in Dalmatia agente, Hadriatici ac mox Jonii maris adversam navigationem perpessus .... hinc ventum Athenas, foederique