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Die antiken Gold- und Silber-Monumente des K.K. Münz- und Antiken-Cabinettes in Wien / beschrieben von Joseph Arneth
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Dieser vergleichet ferner (Ann. 11. 73.) den Germanicus mit Alexander dem Gros-sen. So anziehend es wäre, den Bilderkreis von beiden zu vermehren, so scheint esmir doch der Wahrheit gemässer, diesen Kreis mehr zu beschränken, als auszudehnen.Glücklicher W T eise kann hier für einen ausgezeichneten Mann ein anderer nicht minder aus-gezeichneter gestellt werden. Die Ansicht des Weihgeschenkes macht es zum Product derrömischen Kunst, und zwar zu einer jener sinnreichen Schmeicheleien, welche den Götternder Erde so oft die Zeichen jener des Himmels verlieh.

Von der Meinung, es sei im Triptolemus Germanicus vorgestellt, glaubte ich michspäter durch gewichtige Gründe bewogen, abgehen zu sollen. Germanicus dürfte es nämlichnicht seyn, denn auf ihn, dem zur Zeit seiner Reise das neunte seiner Kinder geboren wurde,von denen sechs am Leben, ist schon desshalb die Deutung nicht zulässig; mehr vielleicht aberist diese Auslegung desshalb unstatthaft, weil die drei ältesten Kinder des Germanicus Söhnewaren; nämlich Nero, geboren U. C. 760, also nach Chr. Geb. 7., Drusus U. C. 761, also n.dir. Geb. 8., Caligula U. C. 765, nach Chr. Geb. 12 ., Agrippina die jüngere, später Gema-hn des Claudius, geboren U. C. 769, nach Chr. Geb. 16., da aber Germanicus starb ü. C.772 , nach Chr. Geb. 19., war Agrippina drei Jahre alt; folglich scheinen diese Umständezusammen nicht dafür zu sprechen, dass der Römer, welcher hier als Triptolemus vorge-stellt ist, Germanicus sei.

Die historische Kritik scheint mir zu fordern, dem Andenken des Germanicus meh-rere Monumente entziehen zu müssen, die ihm auf eine so auszeichnende Weise zukommenw'ürden, wenn sie mit ihm übereinstimmender wären; so wird ihm kaum mit gutem Grundeeine Apotheose zugeschrieben 1 ), und auch ein anderer vorzüglicher Stein, worauf nachLenormant 2 ) Claudius und eine seiner Gemahnen vorgestellt sind, der früher 3 ) ebenfallsdem Germanicus und der Agrippina zugetheilt w urde.

Vielleicht ist es von der Wahrheit nicht entfernt anzunehmen, es sei auf dem obenbeschriebenen W r eihgesclienke Agrippa vorgestellt worden, welcher der Ceres opfert, dannwäre das ältere der Kinder ein Mädchen, die Vipsania, Tochter des Agrippa und dessenerster Gemahn Pomponia, Enkelin des Atticus, nachher Gemahn des Tiberius; die zweiKnaben Cajus und Lucius, Söhne des Agrippa und der als Erde vorgesteliten Julia, Toch-ter des Augustus, Agrippas dritter Gemahn. Agrippa war vierzig Jahre alt, als er dieTochter des Augustus U. C. 733, n. Chr. Geb. 19. heirathete, 734 war Cajus, 737 Lucius,Vipsania ungewiss wann geboren; folglich dürfte dieses Weihgeschenk um das Jahr 740U. C. oder im 12 . Jahre vor Chr. Geb. gearbeitet worden seyn.

sociae ac vetustae urbis datum, ut uno lictore uteretur. Excepere Graeci quaesitissimis honoribus, vetera suorura facta dictaquepraeferentes, quo plus dignationis adulatio haberet. Petita inde Euboea, transmisit Lesbum, ubi Agrippina novissimo partu Juliam

edidit; tum extrema Asiae, Perinthumque ac Byzantium, Thracias urbes, mox Propontidis angustias et os Ponticum intrat.

atque illum in regressu sacra Samothracum visere nitentem, obvii aquiiones depulere. Igitur .... relegit Asiam, appellitque Colo-phona .... Germanicus in urbe Artaxata insigne regium capiti ejus (Zenonis) iinposuit ceteri venerantes regem, Artaxiam con-

sultavere.Germanicus Nilo subvehebatur orsus a Canopo.mox visit veterum Thebarum magna vestigia .... Exin

ventum Elephantinen ac Syenen, claustra olim Romani imperii, quod nunc rubrum ad mare patescit . . . Germanicus Aegypto re-means .... paulisper (Antiochiae) ad spem erectus, adsistentes amicos in hunc modum alloquitur (1. c. 71.): Si fato concederem

justus mihi dolor etiam adversus deos esset, quod me parentibus liberis patriae intra juventam praematuro exitu raperent.

Ostendite populo Romano divi Augusti neptem eandemque conjugem meam: numerate sex liberos.

) Memoires de lAcademie des helles Lettres et des Inscriptions. Vol. I. p. 276.

2 ) Tresor de Numismatique et de Glyptique Iconographie. Romaine, pl. XIII. 12. p. 26.

3 ) Memoires de lAcad. ete. Vol. I. p. 278. Monlfaucon. Supplent. III. pl. VII. Mongez. Iconograph. Rom. pl. 24 * n. 3. t. II. p. 136.

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