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Die antiken Gold- und Silber-Monumente des K.K. Münz- und Antiken-Cabinettes in Wien / beschrieben von Joseph Arneth
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Auf jeden Fall gehört der silberne clypeus zu den Monumenten, die auf eine höchstanziehende Weise ein Familiengemälde der Augusteischen Zeit darstellen, und zu den schön-sten Werken, die uns im Bilde den Dienst der Ceres auf bewahrt haben, und ist daruntermeines Wissens das einzige in Silber. Den Dienst der Demeter und seine Geheimnisse, diezu Eleusis begangen wurden, kundzugeben, war verboten; dessenungeachtet spielt einenicht unbedeutende Reihe von Monumenten in zeichnender und malender Kunst darauf an.

Wie Bacchus vorzüglich den Orient, so durchzog Demeter und Triptolemus insbe-sondere den Occident, ersterer den Wein-, diese den Getreidebau und die Baumzucht leh-rend. Der Feigenbaum, welcher rückwärts der Ceres angebracht ist, scheint mir vortrefflichdurch die Inschrift bei Pausanias 0 auf dem Grabe des Phytalus erklärt:

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Die Hymnen des Homer, des Kallimachus auf Demeter sind berühmt nicht minderdie griechischen Gefässe, worauf Demeter oder Triptolemus vorgestellt sind, davon ausserDempster * 2 ), Hancarville 3 ), Tischbein 4 ), auch Visconti 5 )? Millin 6 ), Laborde 7 ), Millingen 8 ),Gerhard 9 ), Panofka 10 ), die merkwürdigsten bekannt gemacht haben.

Auf eine ähnliche Art ist der Mythus der Ceres auch auf Reliefs in Marmor abgebil-det, von denen Zoega 11 ) ein sein* merkwürdiges mit den Jahreszeiten herausgegeben hat.Der Schlangen wagen, den Medea auf einem Basrelief zu Mantua 12 ) besteigt, ist ganz wieder auf dem Silber - Monumente behandelt. Auf einem der vorzüglichsten geschnittenenSteine, dem Mantuanischen Gefässe, jetzt im Besitze des Herzogs Carl von Braunschweig,ist der Cerealische Mythus gearbeitet. Dieser Stein ist abgebildet bei Gronovius 13 ), undträgt die unzweifelhafte Vorstellung der Ceres und des Triptolemus, denen die vier Jahrs-zeiten ihre Opfer bringen. Dass diess im Frühlinge geschieht, hat der Künstler vielleichtdadurch angedeutet, dass die Personification des Frühlings an einem Baume sitzt. Ein Ge-nius schwebt herab, Samen haltend. Im Hintergründe scheint Hekate mit beiden Fackeln zukommen, eine Graskrone in den Haaren 14 ).

Die genaue Ansicht des berühmten Steines könnte vielleicht die Nennung der Por-traite möglich machen, welche hier unter den handelnden Gestalten zu erkennen seyn dürften.

') I. 37.

2 ) Etruria regal. T. I. tab. XXXXVII.

3 ) Hancarville etc.

4 ) Tischbein. T. I. pl. 8. 9. T. IV. pl. 2. 10.

5 ) Le pitture dun antico vaso fittile. Roma 1794. fol.

ü ) Vas. peint. t. II. pl. XXXI. Galerie mythol. I. pl. LII. n. 219.

7 ) Collection de vases du Comte Lamberg (jetzt im k. k. Miinz- und Antiken - Cabinette). I. pl. XL., auch pl. XXXII. et LXIII.

8 ) Peintures de vases grecs pl. XX11I. p. 43, und Anciens unedit. monuments pl. XX XXIV.

;i ) Monumenti inediti. Vol. 1. pl. IV. Annali dell Istituto di corrispondenza archeol. Vol. I. p. 262264.

,0 ) Vasi di premio. T. I. Antiques du, Cabinet du comte Pourtales. Gorgier XVI. XVIII.

") Li Bassirelievi. XCIV.

,2 ) Museo di Mantova. IX.

,3 ) Gronovius, Thesaurus Antiquitalum graecarum. Vol. VII. p. 62. Eggeling. Mysteria Cereris et Bacchi in vasculo ex uno onyche.

,4 ) Vergl. auch einen Sarg mit den vier Jahrszeiten im Vatiean und Horatius Epodon. Od. VI.