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und von da bis Irland, in allen Stoffen gearbeitet, häufig angetroffen wurden 1 )* Übrigens istbekannt, dass Rudolph I. in der Marchfeldschlacht eine Kirche zu Tuln zu bauen gelobte,wenn er sie siegreich bestehen würde. Rudolph hielt Wort; leider sind in einer späteren.Zeit die Statuen des ersten Kaisers von Deutschland aus dem Habsburgischen Hause sammtder seiner Gemahn aus Vernachlässigung zerstört worden.
Es genüge bloss anzuführen, dass die schönsten Kunstwerke des sechzehnten biszum neunzehnten Jahrhunderte dem Votiv-Geiste ihren Ursprung zu verdanken haben.
Einige der vorzüglicheren Werke, in denen sich der Votiv-Sinn bei den alten Völ-kern ausgesprochen hat, und wie dieser sich ähnlich geblieben ist, glaube ich in den Beila-gen geben zu sollen, weil aus denselben lehrreiche Schlüsse von selbst folgen.
Beilage I.
Griechisches Ge lass.
Einer der gelehrtesten Archäologen, E. 0* Visconti hat ein griechisches Gefäss, etwaaus dem sechsten Jahrhunderte vor Chr. Geb. bekannt gemacht, welches die Reihe jener be-rühmten Monumente beginnt, die, ungeachtet so viele Jahrhunderte dazwischen liegen, vomersten bis zum letzten, ungefähr tausend fünf hundert Jahre, ihrem Sinne und Geiste nacheine grössere Ähnlichkeit zeigen, als selbst der Ausdruck dieser Ideen in der künstlerischenDarstellung, so in die Augen springend diese auch durch die Vergleichung der Kupferstichein den Beilagen 1 . 2 . 3 . 4 . wie von selbst hervorgeht.
Auf dem griechischen Gefässe (einer Amphora mit Medusen-Masken) sitzt Zeus aufdem Olymp, mit dem Zweige eines Ölbaumes das Haupt umgeben, in der mit einem Arm-bande, worin eine Gemme, geschmückten linken Hand den Adlertragenden Scepter, dierechte Hand erhebt er, wie um Staunen auszudrücken über das, was ihm die sich näherndeGöttin erzählt. Diese Göttin, mit einem, Gemmen enthaltenden Diadem das Haupt, wie eineNeuvermählte, geziert, ist keine andere, als Proserpina, die in Begleitung der Höre desFrühlings vor Zeus erscheint — zu Zeus steigt Hermes mit dem Caduceus empor. Unterdem Olymp steht Triptolemos — der Dreifurcher — auf dem mit Schlangen bespanntenWagen, von der sich ihm nähernden Demeter Ähren zu empfangen im Begriffe, diese ver-schleiert, wie sie Homer 2 3 ) schildert und die Monumente oft sie zeigen, auf der linken Schulterein Instrument, die Erde aufzuschürfen, ihr folgt Hekate mit der Fackel, in der Schlangenaus einer Schale genährt, welche Rhea oder Kybele hält, oder vielleicht ist sie bloss dieHöre einer Jahrszeit, da für Kybele der Platz zu untergeordnet wäre. Oben über Proser-pina und Hermes sind Sterne, unten die Blume Narcisse 4 ).
■) Arneth. Das Niello-Antependium zu Klosterneuburg - . Wien 1844.
‘) Hymnus in Cererem. 183.
3 ) L. c. 40. 41. 52.
4 ) Hymn. in Cerer. 6.