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links ein anderer mit Lanze und Schild, über diesen stellt:
MVX1AT ET CLYPEVSSEMPER
AB KOSTE SVYS
Am äussern Ende rechts stellt Frankreich über Lilien mit der Mauerkrone und einem
Füllhorne:
FRAXCIA GRATA. TIBI REX 1XCLITE MVXERA DEFEKT.
Am anderen Ende links nähert sich auf ähnliche Weise Gotia 1 ).
GOTIA TE PA RITE R CVM REGXIS IXCHOAT ALTIS.
Statt der auf den Votiv-Schilden des Agrippa und Theodosius im Segmente angebrach-ten Gestalt der Erde ist hier fast eine Umschreibung dieser Vorstellung in vier Distichen:
ALMA VIRO PEPERIT 1VDITJI DE SA XQ VI NE CLARO:
CVM GEXI.TOR REGXIS 1VRA RABAT PKOPR1IS.
H1.C XOMEX MAGXI KARO LI DE XOM1XE SVMPSITNOMEX ET IXD1C1VM SCEPTRA TEXEXDO SVAHIC DAVID VA RIO FVLGESCIT STEMM ATE REGISATOVE SALOMOXICA 1VRA DOCEXTIS HABETIST! VS IMPERIO HIC CODEX RESPLEXDET ET AVROQVI BONA COXSTRVX1T MVLTA FAVEXTE DEO.
Obschon Karl der Kahle auf dem angeführten Monumente noch viel Fränkisches hat,so gibt es doch andere, die ihn noch mehr als völlig griechisirend darstellen, was auch dieAnnales Francorum Fuldenses von ihm erzählen: «Carolus de ltalia in Galliam rediensnovos et insolitos habitus assumpsisse perhibetur. Xam talari dalmatica indutus et balteo de-super accinctus pendente usque ad pedes, nec non capite involuto serico velamine, ac diade-mate desuper imposito, dominicis ac festig diebus ad Ecclesiam procedere solebat. Omnemenim consuetudinem Regum Francorum contemnens, graecas glorias optimas arbitrahatur.” Durchdie Codices Karl’s des Kahlen zu Paris und München von den Jahren 850 und 870, durch dasGrabmonument 3 } zu Rheims wird die Wahrheit des Briefes vom Mönche Herikus 4 ) vom Jahre876, so wie der Akten von Pavia 5 } bestätiget, dass Karl der Kahle ein Beförderer der Wis-
senschaften und Künste war, dass er die Hofsitten von Byzanz nachahmle, deren Tlieil vonGfrörer 6 ) sehr ermässiget wird. — Es scheint mir also durch das in Beilage mitgetheiltegriechische Gefäss, durch die Votiv-Schilde des Agrippa und Theodosius, wie durch dieDedicationsbilder Karl’s des Kahlen, also durch einen Monumenlen-Kreis von ungefähr fünf-zehn Jahrhunderten eine und die nämliche Grundidee ausgedrückt: Das Menschengeschlecht
') Gotia, zur Zeit der Karolinger Languedoc.
0 Du Chesne II. 369.
3 ) Martene et Durand. Voyage litteraire. II. 81.
4 ) Bouquet. VII.
5 ) Perz. Leg. I. 529. Mitte.
i; ) Geschichte der ost- und westfränkischen Oarolinger. II. 127. 151. 166