Band 
[Erster und zweiter Theil.]
Seite
41
JPEG-Download
 

Eingang zur griechischen Philosophie.

41

häkle, sich selbst weiter zu erklären, aber durch Thatsachenzu erklären, auf welche Weise er dieses Wort näher bestimmenmußte, um es auf seinen Gegenstand gehörig anzuwenden, sowürde er sich wahrscheinlich bald der wahren Anslösnng de6Problems genähert haben. Hätte er z. B. versucht, sich durchsolche Thatsachen zu belehren, ob diese Anziehung der Sonnenur auf die Quellen des Flusses, oder ob sie auf den ganzenLauf desselben und auch auf solche Gewässer einwirke, die nicht«„mittelbar zu dem Nil selbst gehören, so würde er sich sehrbald veranlaßt gefunden haben, seine Hypothese ganz zu ver-werfen. Er würde nämlich die sehr einfache und leichte Bemer-kung gemacht haben, daß diese Anziehung der Sonne eine Ver-minderung aller eppandirten und offenen Sammlungen vonFlüssigkeiten bewirkt, dies« letzten mögen nun ein Fluß, ein Seeoder ein Meer seyn, sie mögen aus einer Quelle kommen odernicht. Diese Bemerkung aber würde ihm gezeigt haben, daßdiese Einwirkung der Sonne, die auf den ganzen Nil statthat,im Sommer sein Wasser eben so, wie das aller anderen Flüsse,nur vermindere, und daß also auch diese Anziehung derSonne nicht die Ursache seines AuStritts seyn kann. Auf diesemWege würde er seine erste, vage Conception von jener Anziehungnäher begrenzt und schärfer bezeichnet, er würde sie wesentlichkvrrigirt haben, und dadurch würde er auf den wahren Begriffder Verdunstung geleitet worden seyn. Und auf gleiche Weisehätte es mit allen jenen ersten abstrakten Nvtivnen geschehensollen, bis endlich der verbesserte Begriff, den man damit ver-bindet, dahin gebracht ist, daß er mit der Vernunft und zugleichmit dem Zeugniß der Sinne in eine harmonische und scharfbegrenzte Uebereinstimmung gelaugt.

Aber auf diese Weise verfuhren jene griechischen Specula-tvren nicht. Im Gegentheil, so bald sie ein solches abstraktes,allgemeines Wort in ihre Philosophie aufgenommen hatten, sosuchten sie nun eben dieses Wort mit dem inneren Lichte ihresGeistes nach allen Seiten zu beleuchten und zu durchgrübclu,ohne sich weiter um die Sache zu bekümmern, die in der äußerenSinnenwelt jenem Worte entsprechen sollte. Sie nahmen einmalals ausgemacht an, daß die wahre Philosophie nur aus deninneren Relationen der Wörter hervorgehen müsse» die in derSprache des gemeinen Lebens gebraucht werden, und so suchten