Band 
[Erster und zweiter Theil.]
Seite
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Frühester Zustand der Opti?.

Nicht so leicht war es, die Gleichheit der beiden Winkel beider Reflexion des Lichts von Spiegeln zu beweisen. Allein dievollkommene Aehnlichkeit des Bildes mjt dem Object bei einemebenen Spiegel, z. B. bei der Oberfläche eines stehenden Was-sers, welche Aehnlichkeit eine unmittelbare Folge jenes Gesetzesist, wird in diesem Falle leicht auf dieses Gesetz führen können,das dann, einmal gefunden, durch unzählige andere Erscheinun-gen bestätiget wird.

Aber mit diesen, an sich richtigen Principien war viel Un-bestimmtes, waren selbst Irrthümer, auch bei ihren besten Schrift-stellern, verbunden. Euclid und die Platoniker behaupteten, daßdas Sehen durch Strahlen bewirkt werde, die von dem Äugtausgehen, nicht also von dem leuchtenden Gegenstände zu demAuge kommen, so daß wir also, wenn wir Gegenstände ansehen,ihren Umriß und ihre Gestalt gleichsam nur wie ein blinderMann kennen lernen, der diese Gegenstände nach und nach inallen ihren Theilen mit der Spitze seines Stockes befühlt. DieserMißgriff, so sehr ihn auch Montucla rügt, war übrigens wederso arg, noch auch so schädlich, da die mathematische» Resultatefür beide Voraussetzungen doch immer dieselben bleiben. — Eineandere sonderbare Annahme der Alten bestand darin, daß siejene Gesichtöstrahlen keineswegs nahe an einander, sondern viel'mehr durch Zwi/chenräume getrennt voraussetzten, etwa wie dieFinger einer ausgebreiteten Hand. Der Grund, der sie zu dieserAnnahme bewog, war der Umstand, daß wir sehr seine Gegen-stände, z. B. eine Nadel, nicht mehr deutlich sehen, wenn wirsie zu nahe vor das Auge halten, was, nach ihrer Meinung un-möglich wäre, wenn die Gesichtöstrahlen von den Augeu in dekThat zu allen Punkten des Gegenstands fortgingen.

Diese Fehler alle würden aber den Fortgang der Optik nichtaufgehalten haben. Allein die Aristotelische Physik enthielt auchhier, wie überall, viel schädlichere Irrthümer. Der spitzfindig?Stagirite begnügte sich nicht, die Gesetze des Sehens zu suchen,xr wollte vielmehr den letzten Grund, die Causation, wie ma»es nannte, dieses Sehens erforschen, und der Apparat, den eszn dieser Entdeckung in Bewegung setzte, bestand, wie sonstüberall, aus unbestimmten Worten, aus unangemessenen Idee»und aus schlecht combinirten Beobachtungen. Nach ihm wirddas Sehen durch ein gewisses Mittleres, ein Medium, hervor-