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Vorrede
in seinem Ansehen ins Feuer gemorsten. Die Errichtung istauf allen Seite» handgreiflich, und-gar nicht besser/ als der Ver-wand des Franzosen Varillas gewesen/ über welchen alle gelehrteund verständige Leuthe so sehr gelachet haben; da solcher nemlichebenfalls um die Originalien befragt/ in welchen er so viele gantzneue / und grossen theils denen zuvor bekannten widerstreitendeUmstände von denen Geschichten der drey letzten Jahr-hunderten,deren fast alle seine historische Schriften voll waren/ hatte findenkönnen, ebenfalls geantwortet: Solche waren aus unterschied-lichen alten Manuscripten gezogen, welche ihme von aller-hand Personen waren geliehen worden, aber mit dem aus-drücklichen Beding, dieselbe niemanden anzuzeigen.
Wie nun also die Anzüge dieses Buchs, und was „ch auf nichtsanders, als die in Rixners Gehirn entsponnene Turnier - Listengründet, von gar keiner Erheblichkeit ist, so hat man sich anfäng-lich für verpflichtet gehalten, bey einem jeden Artickel, dessen Ver-fasste sich auf dieses Buch beruffen, oder .auch ohne solches mitNahmen anzuziehen, desselbigen Innhalt fürgedracht halten, aus-drücklich zu erinnern, wie wenig gleichwolen daraus zu bauen wä-re ; dieweilen einmal nicht rathsam schiene, dergleichen Meldunggantz durchzustreichen, nachdeme die dabey intereßirten Häuser undGeschlechter selbiger in ihren Verzeichnissen längstens Platz gege-ben , auch diese Verzeichnissen meistens allbereit noch in andernBüchern als in diesem I.exieo gedruckt waren. Allein als man beyetwa,, 20. oder ;o. Artickeln auf,etzl bemeldte Weise die Erinne-rung gethan, und aber immer wieder dergleichen Artickel vorka-men, in welchen ein gleiches zu thun vonnöthen schiene, hat manendlich besorgen müssen, dem Leser mit solchen Wiederholungenverdrießlich zu fallen, und genug erachtet, den völligen Bericht vonder Sach ein für alle mal gegenwärtiger Porred einzuverleiben ;damit einerseits der Leser zum voraus für allem unsicher» Be-richt gewarnt würde, und man andern theils sich selbst gegenden Vorwurff, als ob man einem solchen fabelhassten WerckGlauben zugestellet, in Zeiten schützen möchte.
Noch eine andere Erinnerung, welche überhaupt zu thun, undebenfalls nicht wenige Artickel betrifft, gehet über den Nahmenderer Hunnen, als unter welchem die bisherige Teutsche Ausga-ben die Ungarische Teutsche Nation, so oft fast derselben in denenältern Zeiten, als vom ic>. n. und 12. Jahr-hundert, Meldungbeschicht, angedeutet haben. Man erkennet gern, daß solche Ar-tikel von gelehrterer Hand,als die Übersetzungen aus Noreri, Bay-1 e, Hoffmann, und denen übrigen hergeflossen, und also die Ver-mischung der Ungarn mit denen Hunnen gar nicht aus Unverse-hen, sondern aus gutem Vorbedacht, und weilen der Herr Ver-fasser dessen einige Ursachen und Gründe zu haben vermeynte, her-gekommen seye. Es ist auch, ohne Zweifel von eben selbigem mi-thöre, in denen Artickeln Hunnen und Ungarn, klar zu erken-nen gegeben worden, daß seiner Meynung nach die Nation derUngarn sowol als ihr Nahmen einige Zeit nach Attila Tod durchZusammenschmeltzung des Uberrests der Hunnen mit denen Ava-ren, so ebenfalls ein Scvthisches Volck gewesen, entstanden seye;worinnen er würcklich Bonfinium, Backschay, und verschiedene an-dere zu Vorgängern gehabt. Allein es wird uns auch hinwiederumerlaubt seyn zu sagen, daß diese Muthmaßung von dem Ursprungder Ungarn noch mit viel stärckern und bessern Gründen könne wi-derlegt werden, und man sich getraue gantz klar zu erweisen, wieeines theils zwar die Hunnen und Avaren immer zugleich einVolck ausgemacht, und niemalen änderst als dem Nahmen nachunterschieden gewesen; anderseits aber die Ungarn, oder, wie sie zuerst eigentlich sind genennet worden, die vngri, llgri, oder sugri,für eine gantz andere und besondere Nation zu achten seyen, dieerst gegen Ende des neunten Jahr-hunderts aus ihren alten Wohn-plätzen in dem Europäischen Scythien oder heutigen Rußlanddurch ein anders Scythisches Volck, Nahmens Patcinazithen, ver-trieben, sich in einem Theil von Pannonien niedergelassen , undfelbigem Land hernach ihren Nahmen gegeben haben, welchen esnoch bis auf den heutigen Tag behaltet. Die Beweißthume hie-von sollen künftighin im Artickel Ungarn, als an dem rechtenund eigentlichen Ort, wo dieser historische Streit hin gehöret, an-gebracht, und zur Genüge ausgeführet werden.
Da inan nun also dieses grossen und gäntzlichen Unterscheidsder Hunnen und Ungarn gewiß versicheret, kokte man auch,nichtänderst als nöthig befinden, an allen denen Orten, wo die Hun-nen anstatt der Ungarn stunden, und welcher Zahl nur in denen2. ersten Banden sich viel über hundert, erstrecket, den Nahmen Un-garn hinzusetzen, und dadurch der sonst bey so vielen Lesern un-vermeidlichen°Verwirrung abzuhelffen ; welchen es ja nicht än-derst als seltsam vorkommen muß, wann auch im übrigen derUrsprung der Ungarn von denen Hunnen äußert allem Zweifel wä-re, wo sie dasjenige, so bisher alle Geschicht-Bucher denen Ungarnzugeschrieben haben, unversehens unter dem Nahmen der Hunnenantreffen, und diese sonsten schon seit dem VII. und Vlll. steculogantz vergessene und gleichsam ausgeloschene Nation in so vielenGeschichten des 10. n 12. und folgender Jahr-hunderten allezeitwieder erscheinen sehen. Weilen dann aus dieser Ursach die, zwarmeistentheils nur in einem Wort bestehende, Aenderung sowolbisher durch die jetzo zum Vorschein kommende 2. ersten Bände istvorgenommen worden, als noch ferner in denen 2. übrigen be«fchehen solle; hat es nicht unrathsam geschienen, auch davon all-hier überhaupt zu melden. ^
Bisher ist dem geneigten Leser ausführlich genug Rechenschafft
gegeben worden von allem, so man bey gegenwärtiger neuen Auf-lage an dem allgemeinen Historischen Mexico zu verbessern getrach- ,tet hat. Da nun also nicht nur so viele Artickel gantz neu in dassel-be gebracht worden, wie von H. H. D. D. Frey und von Wald-kirch geschehen ist; sondern man auch die, so würcklich darinnengestanden, zu mehrern taufenden von Fehlern gesäubert, oder sonstum ein namhafftes verbesseret hat; so ist auch gut befunden wor-den, diejenige Artickel, an welchen man also gearbeitet, mit einemSternlein zu bezeichnen, damit der Leser, welcher hieran möchte ?Belieben tragen,die neue Arbeit mit der alten desto leichter verglei- .chen könnte. Wo aber der Zusatz nur klein, oder nicht von sonde-rer Wichtigkeit, hat man solches mit Fleiß unterlassen. Mannswohl thunlich gewesen wäre, so hätte man lieber alle diese Zusätzein besondere karsntdels« eingefasset, wie Nr. Ie Clerc in denen von °ihme verbesserten Nordischen Ausgaben gethan hat. Allein die jMenge dieser Zusätzen, und daß dergleichen oft in einem Artickel jwohl 8 . y. ro. und mehrere an verschiedenen Orten einzubringen iwaren; nicht minder auch die so nöthige gäntzliche Umgiessung vie-ler Artickeln, bey denen man sich gleichwol diejenige Erzehlungenoder Anmerckungen, welche schon vorher da gestanden, und die beysolcherVewandnis ebenfalls in den nen-verfertigten Aufsatz gebrachtwerden musten, keineswegs zuzuschreiben begehrte : diese unver-meidliche Umstände haben es gantz nicht zulassen wollen. Indessenkans doch niemanden schwär fallen, nachdeme.die Exemplare dervorigen Ausgab fast in jedermans Händen sind, die Artickel dersel-bigen mit denen, so in gegenwärtigein Druck mit dem angedeute-ten Zeichen bemerckct stehen, zu vergleichen, und was darinnenalt oder neu seye, zu unterscheiden. §
Indessen ist auch gar ferne, daß man mit dem allem sich die Hoff-nung mache, das Historische I.exicon vollkommlich verbesseret,oderalle Fehlere aus demselben ausgemustert zu haben. Derjenige wü-ste die Natur eines solchen Wercks, sonderlich wo bey dessen erstemAufsatz so vieles ist versehen worden, gar schlechtlich kennen, wel-cher sich, oder auch andern mit dergleichen Gedancken schmei-cheln wolle. Wann in dem Nordischen Buch sechsten, nachde-me Nr. le Clerc selbiges so oft, bey denen jeweiligen neuen Hol-ländischen Ausgaben übersehen und ausgebesseret, Bayle gar diebeste Zeit seines Lebens damit zugebracht, und auch nach diese»
Nr. Vautier und andere von Zeit zu Zeit daran gearbeitet haben rwann ungeacht dessen allen bisher noch so viele Fehler darinnengeblieben sind, und gleichwolen niemand so unbillich, daß er die-ser Hinterbliebenen und gelassenen Fehler wegen, obige Leuthe an-klagt, sondern vielmehr jederman ihnen für die Fehler und Män-gel, so sie einmal gehoben, so wohl als für ihre übrige Vermehr-und Verbesserungen, einigen Danck weißt; so werden wohl allebilliche Gemüther auch in Ansehung der gegenwärtigen Ausgabnicht änderst gesinnet seyn.
Man hat üm desto mehr Ursach solche Geneigtheit zu hoffen, alSman wider seinen Willen mit gegenwärtiger Ubersehung so gar sehrhat eilen müssen, und, da man, blos dem kudlico zu gefallen, sichendlich zu dieser Arbeit bequemet, der Druck des Wercks auf in-ständiges Anhalten derer meisten Herren Subscridenten gleich dar-auf nach wenig Wochen hat müssen angefangen werden. Da nu»dieser anfängliclnwar nur mit zweyen, aber bald hernach mit 4.sehr schnell lärmenden Pressen fortgegangen, im übrigen aber indieser währenden Zeit die nöthige Beruffs-Geschäffte, öftere Leibes-Schwachheiken, vielfältiger Brief-Wechsel, und andere unvermeid-liche Verstörungen , so viele gute Stunden hingenommen, werde»sich billicheRichlere »erhoffender Massen noch wohl begütigen lassen,wann schon nicht alles geleistet worden, was man zu leisten ge-wünschet hatte, und.bey Geniessnng besserer Gesundheit und meh-rerer Weil vielleicht wurde geleistet haben. Einmal kan man mitWahrheit versichern, daß bey so vielen gemachten Vermehr-undVerbesserungen es dannoch fast niemal möglich gewesen ist, eine»Artickel oder ein Blat mehr als einmal zu durchgehen.
Noch viel weniger wird man jetzt gantz neue Artickel von deinefordern können, welcher zu Vermehr-und Verbesserung der alten sowenige Zeit gehabt,auch ohne dem sich schon im Anfang vorgenom-men, keine dergleichen für dieses mal zu geben. Nach Endigungder vorhabenden Arbeit aber begehret man sich bey besserer Zeitund Weil davon nicht auszudingen; da man schon jetzt gern geste-het, daß sich freylich bey bisheriger Durchlesung des Lexici ein«nicht geringe Anzahl dergleichen neuer Artickeln, welche noch garwohl einen Platz verdienten, gleichsam von sechsten dargegeben.
Man wird aber dieselbige allenfalls nicht änderst als allein, nachArt eines Lupplemsmi, und in einer Form mit der jetzigen Ausgab,drucken lassen, damit sie vornemlich denjenigen Personen zu gutkommen mögen, welche die jetztmalige Ausgab besitzen.
Von denen Druckfehlern, welche auch allhier nicht wohl gäntzlichmochten seyn vermeidet worden, hoffet man, daß sie weder in gargrosser Zahl, noch von sonderbarer Wichtigkeit seyn werden. DerFleiß und die Erfahrenheit deren Herren Lorreäkorum, zusamt dergemachten Einrichtung, vermittelst welcher sie sich über jeden An-stand, den sie haben mochten, bey denen Verfassern deren gantzenArtickeln, oder deren Verbesserung - oder Vermehrungen alsobaldhaben erläutern können, wird sonder Zweifel die verdrießlichsteund dem Leser am meisten hinderlich fallende Arten von Fehlern,wo nicht gäntzlich, jedoch gröstentheils verhütet und abgelehnethaben; wie mans dann in denen wenigen Artickeln, welche manbey etwan einem müßigen Augenblick zur Probe gelesen, mit gargutem Vergnügen also gefunden hat.