964 S » s
wehren wollten, schlug er sie daselbst, nahm Neuburg ander Donau, Freysingen, München und andere örter in Bayernein, konnte aber Jngolstadt nicht erobern, da ihm durcheine stück-kugel das pferd unter dem leibe todt geschossen wurde.Augspurg ergab sich ohne besondern widerstand, und der Konigließ selbiger stadt bürgerschafft sich und der Cron Schwedenschwören, wodurch er groß aussehen im Reiche machte. Erwandte sich hiernächst nach Nürnberg, und bestürmte des Wal-lensteins lager, muste aber mit Verlust 2000. mann wieder ab-rieben. Er wandte sich darauf wieder nach Bayern, weil dievestung Rain verlohren worden war, die er aber bald wieder-um einbekam. Weil ihm indessen der Churfürst von Sach-sen einen courier nach dem andern schickte, indem Wallensteinmit seiner gantzen macht auf ihn angeruckt war, kam er dem-selbigen zu hülste, da es denn den 6. nov. an. 16,2. bey Lätzenim Stift Merseburg zu einer schlackst ausschlug, darinnen erst-lich die Schwedische infanterie des feindes bataillons mit grossser tapferkeit über den hausten geworffen, und die feindlichen stü-cke erobert. Als aber die reuterey so geschwinde nicht über dengraben kommen konnte, ritte der König vor das Schmaländi-sche regiment, und vermahnte selbiges, ihm zu folgen, erselbst aber setzte nebst Hertzog Frantz Albrecht von Sachsen-Lauenburg und ein paar letb-knechten voran, und verlohr seinleben, ehe seine leuthe nachkamen. Wie er eigentlich geblieben,wird auf verschiedene art erzehlet. Von einigen wird gemel-det , daß ihm besagter Hertzog Frantz Albrecht in der confusionvon hinten her den rest gegeben, welchen die Kayserlichen dar-zu vermocht. Von einigen neuern aber will angeführt wer-den, daß, als er im recognosciren sich allzuweit gewaget, seyer bey dem damaligen nebel, entweder aus versehen, oder,wie andere meynen, aus verrätherey einer person, unter de-nen , so ihn begleitet, auf einen trupp Kayserlichev küraßirergestossen, da denn der Oberst-Lieutenant Moritz von Falcken-berg ihn zuerst mit dem pistol durchschossen, aber so fort selbstwieder erlegt worden. Ein anderer aber, nahmens JohannSchneeberg , aus dem Paderbornischen von Bockendorp ge-bürtig , soll darauf dem Könige den degen durch den leib ge-stossen, ihn vom pserde geworsstn, und eine göldene kette, soseine nachkommen noch heut zu rage zum andencken aufheben,von dem halse gerissen haben; wiewol noch immer dahin ste-het , ob nicht diese ketten auf allen fall einer andern vornehmenPerson sey abgenommen nmden. Eine viel gemeinere undvon mehrern bestätigte erzehlung ist, daß, als der König diegeringere wunde empfangen, und sich gedachte gegen seine leu-the, welche nach und nach über den graben setzten, zurück zuriehen, wäre ein Kayserlicher küraßirer auf ihn zugerennt,hätte ihm seinen carabiner an den leib gehalten, und ihn alsodurchschossen; worauf er von dem Pferde gefallen, und her-nach noch auf dem boden liegend (als dieser zufall unter bey-den theilen ruchtbar worden, und um seinen leib ein ernstlichesgefecht entstünde) noch mit vielen stichen, obwolen allem an-sehen nach schon todt durchstoßen worden; die seinige, so sei-nen leidigen zufall anfangs daraus schließen konnten, weil seinPferd mit gelößten Pistolen allf sie zurück kam, wurden des-wegen nicht verzagter, sondern nur grimmiger, daß sie denfcind mit desto grösserer furie angriffen, und endlich den völ-ligen sieg darvon trugen. Sein leichnam wurde anfangs nachNaumburg und Wittenberg, folgends nach Wolgast in Pom-mern , und von dar in Schweden nach Stockholn gebracht,woselbst er den22. jun. an. 16)4. in das kurtz vor seiner ab-reise in Teutschland auf seine Verordnung aufgerichtete neuebegräbnis eingesencket, und ihm folgendes epitaplckum gesetztwurde : In snguüüs iMrLvic, N0ÜS8 prvürsvit, pistatemsmavit , regnum ckilatsvit, 8v«sv8 sxsltsvi't , oxxrestos libs-ravir, M0NSN8 triumpkavir. Er hat die Bibel aufs neue inSchwedischer spräche übersetzen lassen, die Universität zu Upsalmit vielen einkünften verbessert, auch mit üixenäüs reichlichversehen. Nicht weniger hat er an. 16; 2. zu Dörpt in Lief-land eine neue hohe schule, wie auch in Lappland eine schuleund 4. ssimnLilü, als zu Stregnes in Südermannien, zu Aro-sian in Westermannland, zu Abo in Finnland, und zu Lincö-ping in Ost - Gothland aufgerichtet, auch das SchwedischeRecht emendiren lassen. Jngleichen hat er die Lollegis desReichs, als der Justitz, des Kriegs, der Admiralität, desCancellariats und der Cammer eingeführt, daß also die höchsteauthorikät in 5. Ober-Räthen, als demReichs-Drozet,Reichs-Feldherrn, Reichs-Admiralen, Reichs - Cantzlern und Reichs-Schatzmeistern bestehen sollte. Er vermählte sich den 20. nov.an. 1620. mit Churfürst Johannis Sigismundi zu Branden-burg Printzeßin, Maria Eleonora, mit welcher er erzeugetChristinam, so 011.162;. gebohren, und in selbigem jähre wie-derum verstorben. Die andere tochter , so ebenfalls Christinagenennet wurde, kam den 8. dec. an. 1626. auf die weit, undhat ihrem vatter in der regierung succedirer. Jngleichen hater einen unächten söhn, Gustavum Guftavsohn , Grafen zuNiestadt und Wafaburg, hinterlassen, von welchem hernach.Er hatte eine breite stirn, ein schon und rothlich antlitz, or-dentliche lineamenten und funckelnde äugen, womit er abernicht allzu scharf sehen konnte. Daneben war er lang pon sta-lur, schmal und wohl proportionirt. Seine geberden warenmajestätisch, sein leib starck, und zur arbeit ausgehärtet. Ineinem wandet bezeigte er sich wachsam, freygebig und an-
gus
dcrn zum cpemvclgottselig. Erließ iedecmauleich! vor ßUund war ein feind der ceremonien und complimenten. oidiesem hatte er einen vortreffichen verstand, wußte von » 4dingen wohl zu urtheilen, eine scharfe cinbiidimgö-ce«und ein unvergleichlich gedächtnis. Solche natürliche s«den wurden bey ihm ferner gezieret durch die erkannt»!» ,terschiedlicher wissenfchafften, als der Mathematic, Po Kund Historie. Insonderheit las er Grotium äs Zure veup3Li5 fleißig, von welchem er sagte: Er wünschte, dak^>tius bey ihm wäre, er wollte ihm zeigen , was sich vor ^unterscheid zwischen theorie und praxi befände, und wiesich ein ding schreiben lasse,wie schwer es aber zu practicirmiLateinisch,Italiänisch, Französisch undHoch-Teutsch redete er >gut als seine mutter-sprache. Er war nicht weniger ein u»»gleichlicher kolitisus, als Kriegs-Held. Sein lager war aur».so wohl fortificiret und verschantzet als eine veste stadt,dem es die gelegenheit deö orts leiden wollte, so, daß er ^lezeit in einem vortheilhafftigen stände sich befand, de» lvch,entweder anzugreiffen oder sich zu wehren. Seine armer«te so gar auch des winters über in zelten, und damitkälte möchten ausstehen können, hatte er ihnen gewim ' ^beltz-werck gefütterte röcke in Schweden machen lassen, vrsie sich zur winters-zeit bedienten. Sein gantzes guarwar von seiner cavallerie umringt, welche dre infanterie ,rücken hatte, und beyde waren in so gute ordnung gr>ceadaß man sie unmöglich nöthigen konnte zu schlagen/ fit-ste nicht wollten. Seine artillerie konnte man leichtbringen, und war allezeit an einem bequemen ort geE'^eseine leuthe zu bedecken. Gehorsam, Mäßigkeit und m ,arbeit wurde unter seiner armee unzcrbrüchlich beobE ^und hingegen gottslästerung und trunckenheit aufs hm»gestraft. An seinen sahnen und standarteu, woraufhinpen gemahlt war, stund mit göldenen buchstaben gesctM«Guftavus Adolphus, Rönig von Schweden u"^schuyer des Evangelischen glaubens, oderGOtt für uns, wer mag wider uns seyn? U',s, t,den sahnen, worinncn ein schwerdt und scepter abaeo>«^ ^waren diese Worte zu lesen: Mars führet das sw^Merund Themis das scepter. Die beförderungen unterarmee giengen blos nach würde und nicht nach gunst. ^wie nun seine Officirer zuvor- selbst pariren mustcn, e'/.^anfiengen zu befehlen; also hielten sie auch stets eine er»> ^che und genaue kriegs-zucht, und wenn bisweilen vey ^schleunigen Überrumpelung die soldaten in Unordnung vthen, wußten sie gar leicht den Mangel wiederum zu ern«und die posten, welche sie beschützen sollten, aufs neue zubern. Im übrigen war dieser grosse Könia sehr kühn um, ^wegen, auch bisweilen ohne noth. Er ließ sich manch»' ^,kupfer-gruben hinab, welche in die 70. klassiern tief w«da öfters die von den feiten herabfallende steine die. mleuthe in stücke zerschmissen. Insonderheit achtete er im ^sein leben sehr geringe, und verrichtete fast noch mehr mr ,ten eines gemeinen soldaten , als eines Generals.bist. eccl. 8ues. LrAaero»«,, äs bello öuK.üäolvbi. ssvEbeschreibung des Lchwed. kriegs. KiK. Lusc. ^
äa-L äs red. 8ues. ir. continuir. einleitung. O- » ri6-
äs 6uÜÄV. üäolpk. monum. Laäerb.
217. Lebender RöniginChristina,p.Zieglers !platz. * Azft
Guftavus, Gustavs-sohn, Graf zu Niestadt uno.^^saburg in Schweden, war Königs Gnstavi Adolph! nau'söhn, gebohren an. 1614. Als bemeldter König an.die schlacht bey Leipzig erhalten, sandte er ihn nach A„jgkberg, um den studien daselbst obzuliegen. Nach des ^tod begab er sich zu HertzogeGeorgen vonLüneburg,Schwedische armee m Westphalen commandirte, unodas Lieflandische regiment. An. 16;;. übergab ihmnigliche vormundschassts-regierung durch gewisse Commwdas Bißthum Osnaorück, weshalben ihm auch von eDom-Herren und der Ritterschafft gehuldiget w«^-wurde darauf den ;r. jan. desselbiqen jahrs m dcr^' yirkirche Lutherisch geprediget, und I). Gisenius von Rmte"kirchen und schulen in diesem Bißthum zu reformiren,
In demselben jähre begab er sich zu der SchwedlchcHertzog Bernharden geführten armee, wohnte der icy^^ inNördlingen bey, und kam hernach wiederum zu der «u
Westphalen. Als an. i6;6. bie Kayserlickie armev ^
GrafJohann von Götzen die stadt Osnabrück belager ver selbiger nebst dem Fcld-Marschall Leslie zu h"Elv,,ffüh^thigte die feinde, die belagerung aufzliheben. Hl»" - cot->te er fein regiment unter des Feld-Marschalls Bam"" heypo einige jähre. Nach dessen tobe befand er sich an.' ftt-der bloquade der vestung Wolffenbüttel, weil er avcr ^ ^nein Oberst-Lieutenant Jordon in streit gerieth, rWsein regiment, und. wandte sich wiederum nach .x ftykBey dem Westphälischen friedens-schlusse ließ er sich »^ §her/angelegen seyn, selbiges Bißthum zu behalten, nmn , w-weil ihm der Französische Gesandte, Graf vonwider war, und die Konigin von Schweden M , e„^abandonnirte, solches wieder abtreten. Als er an. - ^reise in Schweden that, machte ihn gedachte Kvn^
Reichs, Rath, und zum Grafen von Niestadt uno ^rS'